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Demnig thumbnailDer Künstler Gunter Demnig
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Stolperstein Ludwig Schlorch

Projekt Demnik

 

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    Gunter Demnig im Gespräch mit Uta Franke

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O  Stolpersteine: Intention-Unterstützung/Finanzierung (Wikipedia, April 2017)

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Stolpersteine - Idee, Vorgeschichte und Entwicklung eines Kunstprojektes

 

Gunter Demnig (G.D.) im Gespräch mit Uta Franke (U.F.)

 

Weitere Informationen über Gunter Demnig: www.stolpersteine.com

 

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist." Gunter Demnig
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U.F. Gunter Demnig, Sie arbeiten mit den verschiedensten Materialien und Sie haben sehr unterschiedliche Projekte realisiert. Als Maler haben Sie begonnen, Designermöbel, Automaten und Klangskulpturen waren Ihre nächsten Arbeiten, danach legten Sie Duftmarken und Spuren und jetzt arbeiten Sie an dem Projekt STOLPERSTEINE. Warum suchen Sie so unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten? Als was für ein Künstler würden Sie sich bezeichnen?

G.D. Zu allererst einmal bin ich sehr neugierig und dann interessiert mich die Umsetzung von Ideen und Projekten, nicht so sehr eine bestimmte künstlerische Technik. Deshalb wähle ich je nach Bedarf die Materialien aus: Papier, Pappe, Holz, Metall, Keramik, Stein, Blut, Farbe, Faden oder Beton, und wenn es gar nicht anders geht, verwende ich auch mal Kunststoff. Schon an der Akademie interessierten mich vor allem Arbeiten, die nicht nur für Galerien oder fürs Museum bestimmt sind, sondern die nach außen wirken, in der Öffentlichkeit und direkt mit Menschen zu tun haben - das wäre dann Aktionskunst.

 

Die Maschinen, mit denen ich die Spuren auf die Straßen gelegt habe, sind gleichzeitig auch Mobile Skulpturen und die STOLPERSTEINE sind so etwas wie ein dezentrales Monument. Die Klangtürme sind einerseits Skulpturen, aber auch Musikinstrumente. Durch die unterschiedlichen Ideen und Materialien ist der formale Aspekt einer künstlerischen Arbeit immer wieder eine neue Herausforderung und diesem Prozess der Umsetzung gehört mein Interesse. Die meisten Arbeiten sind dreidimensional, also bin ich Bildhauer – ganz einfach!

 

U.F. Die Wirkung Ihrer Arbeiten nach Außen traf nicht immer auf Zustimmung – Ihr erstes ’öffentliches’ Bild z.B. hat Ihnen den Besuch der Polizei und eine Festnahme eingebracht.

G.D. Ja, das war 1970 ich hatte die amerikanische Flagge auf das Schaufenster meines Ateliers in Berlin-Kreuzberg gemalt – Totenköpfe ersetzten die Sterne – das hat einigen Leuten nicht gefallen.

 

Auch das Spurenlegen war nicht immer so einfach. Da tauchte immer wieder die Frage auf: Darf man das denn überhaupt? Darf ich einfach eine Spur mit Farbe oder auch mit Blut auf die Straße legen, einen roten Faden von Kassel bis Venedig abrollen, Bleirollen auf die Straßen Berlins legen oder jetzt STOLPERSTEINE ins Trottoir verlegen? Für mich ist Grenzen ausloten, Grenzen überschreiten, immer wieder ein zentraler Aspekt. Letztlich geht mehr, als man anfangs denkt. Es ist machbar. Ich muß mich dabei zwar manchmal mehr mit Bürokratie und Verwaltungsfragen auseinandersetzen als mit formalen und künstlerischen Problemen - jedoch auch das gehört zur politischen und gesellschaftlichen Dimension meiner Arbeiten.

U.F. Sie sprechen jetzt von den 80iger Jahren: Sie wurden als ’Spurenleger’ bekannt und haben dabei lange Wege zurückgelegt. Ich denke da an die DUFTMARKEN Cassel-Paris, die BLUTSPUR Kassel-London, der ARIADNE-FADEN; den KREIDEKREIS, FLASCHEN-POST, LANDSCHAFTSKONSERVEN, KASSEL – 22. OKTOBER - ZEHNTAUSEND TOTE und das Projekt EINREISE Westberlin. – Spuren, in unterschiedlichster Form, ziehen sich wie ein roter Faden durch Ihre Arbeiten. Was verbinden diese Arbeiten und was bedeuten für Sie SPUREN?

 

G.D. Man muss da differenzieren - einige Arbeiten haben die Kunst und die mögliche oder unmögliche Ausbildung zur Kunst zum Thema, andere thematisieren politische Fragen oder wollen den Ewigkeitsanspruch der Kunst ironisch hinterfragen.


Bei manchen Arbeiten bleibt nur die Erinnerung, die Spur selbst wird weggewaschen; wie die Kreidefarbe oder das Blut, auch der dünne rote ARIADNE-FADEN ist bald verweht. Dagegen sind die Kartuschen der LANDSCHAFTSKONSERVEN gut vergraben und vielleicht werden sie nie gefunden, bei den FLASCHENPOSTEN ist die Wahrscheinlichkeit des Auffindens schon größer: Zwei davon wurden immerhin beantwortet. Diese beiden Projekte sind so etwas wie Denkmale für die Ewigkeit.

 
Die Erinnerung wird natürlich mit den STOLPERSTEINEN das direkte Thema – Spuren der Erinnerung. Nichts, was geschieht, ist folgenlos; ich spüre den Dingen nach - möchte Spuren sichtbar machen, erhalten und damit an Dinge oder Ereignisse, die in Vergessenheit geraten, wieder erinnern und direkt sichtbar machen.

 

U.F. Menschliche Schicksale, in Metall geschlagen, kann man auch als Spuren bezeichnen: In die STOLPERSTEINE, 1o x 1o cm große, gegossene Betonquader, ist eine Messingplatte mit Schrift eingelassen. Das ist nicht Ihre erste Arbeit mit Schrift; Sie haben auch Schrift in Bleirollen gestanzt, Schriftzeichen in Keramik gedrückt und Rollsiegel gegossen. Was waren das für Arbeiten?

G.D. Begonnen hat das alles mit der Einladung zur Teilnahme an der Friedensbiennale 1985 in Hamburg, die Robert Filliou initiiert hatte. Da kam bei mir die Frage auf: Bei so vielen Kriegen, wurde da eigentlich auch mal Frieden geschlossen?


Die Recherchen dazu waren gar nicht so einfach – Friedensforschungs-Institute konnten mir nicht weiterhelfen. In Gesprächen stellte sich heraus, dass es ein juristisches Problem ist und damit waren Völkerrechtler zuständig. Ich habe ca. 12oo Friedens- und Freundschaftsverträge von 226o v. Chr. bis zum 2osten Jahrhundert in eine Rolle aus Dachdeckerblei geschlagen – etwas länger als 12 Meter. Die Friedensrolle war unterwegs, ist schon in vielen Orten ausgestellt worden: in Hamburg, München, Moskau, und Leningrad. Vom Deutschen Historischen Museum Berlin wird sie ab 2003 als Leihgabe in einer Ausstellung mit dem Titel ’Idee Europa. Entwürfe zum Ewigen Frieden’ präsentiert.

 
Mit der ähnlichen Thematik entstand kurz darauf die GESETZESROLLE mit den ersten 19 Artikeln unseres Grundgesetzes, die ja einen sehr hohen Anspruch ausdrücken, aber leider in ihrer Aussage immer weiter relativiert werden. Auch dieser Text ist in Bleiblech geschlagen, allerdings verschlüsselt im ASCI-Code, also für jedes Zeichen lediglich 8 Nullen und Einsen. Abstraktion - als Mahnung und Erinnerung. Das Material Blei hat für mich eine Faszination, durch seine immens hohe Halbwertzeit – also auch etwas für die Ewigkeit gedacht oder besser, erhofft.
Aus jener Arbeit sind auch die GESETZESTAFELN hervorgegangen, die ganz global die Menschenrechte einfordern. Der erste Artikel ist doch wirklich sehr gut gemeint – nur kann jeder Staat ungestraft dagegen verstoßen. Ich hatte den Text des Artikels 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in ca. 12o Übersetzungen vorliegen. Mit Hilfe der Uni in Köln konnte ich die Texte in die Internationale Phonetische Lautschrift transkribieren und habe sie mit speziellen Lettern in Tontafeln gedrückt. Beherrscht man die Lautschrift, kann man die Texte immer wieder lesen, aber sie verstehen nichts, sie erleben die perfekte Sprachverwirrung, obwohl sinngemäß immer dasselbe gemeint ist. Schrift als künstlerisches Ausdrucksmittel taucht auch wieder bei der ROMA-SINTI-SPUR und den STOLPERSTEINEN auf.

 

U.F. Die Spur MAI 1940 – 1000 ROMA UND SINTI entstand im Mai 1990 zum 50. Jahrestag der Deportation. Während der praktischen Ausführung entstand auch die Idee für die STOLPERSTEINE. Wie kam es dazu?

 

G.D. Die Spur zur Erinnerung an die Deportation der Roma und Sinti aus Köln ist in Zusammenarbeit mit dem Rom e.V. entstanden. Kurt Holl wusste von meinen Spuren-Arbeiten und sprach mich an. Wir haben dann gemeinsam eine sogenannte Kreidespur durch Köln gezogen, die den Weg der Deportation nachzeichnete. Dazu muss man wissen, dass die Deportationen 194o so etwas wie die Generalprobe für die späteren Judentransporte waren. Der ganze technische Ablauf wurde geprobt, mit der Auflösung der Wohnungen und dem Abtransport durch die Deutsche Reichsbahn. Später sollte ja möglichst alles perfekt und reibungslos ablaufen und in gewisser Weise auch ganz ’normal’ wirken.


Die Kreidespur, mit der besten Fassadenfarbe gezogen, war natürlich trotzdem irgendwann weggewaschen. Deshalb überlegten wir, wie die Spur wenigstens an einigen Stellen symbolisch konserviert werden könnte. So ist der Messingschriftzug, der jetzt an 21 Stellen im Kölner Stadtgebiet verlegt ist, entstanden.
Die Idee für die STOLPERSTEINE wurde beim Verlegen des Metallschriftzuges geboren. Es war in der Südstadt, am Großen Griechenmarkt, als eine Zeitzeugin mich ansprach: “Ist ja ganz schön, was Sie hier machen, aber in unserem Viertel haben doch nie Zigeuner gewohnt.” Sie können sich vorstellen, die Worte verwirrten mich. Aber ganz offensichtlich hatte die Frau es wirklich nicht gewusst. Langsam begriff ich: Die Menschen in dem Viertel lebten ganz normal, nachbarschaftlich zusammen. Zigeuner waren wie alle anderen gemeinschaftlich eingebunden, mit den jüdischen Mitbürgern muss es ähnlich gewesen sein. Es interessierte nicht, ob jemand vielleicht fremd oder anders aussah, etwas anderes glaubte oder einer anderen Volksgruppe angehörte. Und trotzdem wurden diese Menschen später deportiert, ohne nennenswerten Widerstand ihrer Nachbarn. Auschwitz war der Ziel- und Endpunkt, aber in den Wohnungen und Häusern begann das Unfassbare, das Grauen.

 

U.F. Sie erwähnten die Deutsche Reichsbahn. Sie realisierten eine Arbeit, die die Rolle der Reichsbahn bei den Deportationen zum Thema hatte. Was war das für eine Arbeit und wie sind Sie eigentlich auf dieses Thema gekommen?

G.D. Es gibt mehrere Arbeiten, die sich mit den Transporten in die Lager befassen – alle mit Modelleisenbahnen. Die Idee dazu kam mir nach dem Verlegen der ROMA UND SINTI Spur in Köln – sie endete ja an der Deutzer Messe, dem Außenlager von Buchenwald. Mir drängte sich die Frage auf: Wie ging das alles von hier aus weiter? Die Thematik ging mir nicht mehr aus dem Kopf und nach einigen Recherchen stieß ich auf das Buch “Mit der Reichsbahn in den Tod” von Heiner Lichtenstein. In der Publikation erfuhr ich die ersten erschütternden Fakten, dass diese Transporte von der Bahn perfekt organisiert und bis ins kleinste Detail durchgeplant waren, auch hinsichtlich des zu machenden Gewinns. Stellen Sie sich vor, die Menschen mussten ihre Fahrt sogar selbst bezahlen.


Als die Vernichtungsmaschinerie in Auschwitz auf Hochtouren lief, beklagte sich die SS, dass die Öfen nicht ausgelastet seien und die Züge jeweils nur 1ooo Menschen transportieren konnten. Ingenieure bei Borsig entwickelten daraufhin eine Lok, die Züge mit 2ooo Menschen ziehen konnte – Prototypen dafür sind bei einem Bombenangriff in Berlin zerstört worden – aber es gab noch ein Modell davon. Die Lok der “Baureihe 53” habe ich auf Schienen, in Form einer liegenden Acht (7,5 Meter lang, 1,75 hoch) gesetzt, und der Betrachter kann mittels Knopfdruck die Anlage in Betrieb setzen. Daraufhin setzt sich die Lok in Bewegung und gleichzeitig wird aus einem Lautsprecher über den Hintergründe informiert. Diese Installation wirkt auf den ersten Blick wie eine harmlose Spielzeugeisenbahn, aber im Gegensatz dazu stehen die detaillierten Informationen aus dem Lautsprecher.
Für mich ist das alles ein einziges Fragezeichen: Wie konnte das alles nur so perfekt funktionieren und wer hat was gewusst oder gesehen oder sogar mitgeholfen?

 

U.F. Ihre ersten Steine in Köln waren noch ausschließlich dem Gedenken an ermordete Roma und Sinti gewidmet. Warum damals diese Einschränkung?

 

G.D. Diese Steine waren der Anfang und die Einschränkung war eine Folge der Quellenlage. Der ROM e.V., mit dem ich für die Leidensspur der Roma und Sinti zusammenarbeitete, hatte schon gut recherchiert, die Daten waren sofort verfügbar; wertvolle Hinweise gab mir die Historikerin Karola Fings.
Das Konzept sollte jedoch von Anfang an, alle Opfergruppen umfassen: Roma und Sinti, Juden, politische Opfer: Kommunisten und Sozialdemokraten, verfolgte Christen, Euthanasieopfer und Zeugen Jehovas. Schließlich musste ja jeder, der nicht ins Menschenbild der Nationalsozialisten passte oder sich nicht einfügte, mit Repressalien, Gestapohaft, mit Folter, mit materieller oder letztlich physischer Vernichtung rechnen.

U.F. Das war 1993. Haben Sie damals geglaubt, dass Sie die Idee eines persönlichen Gedenkens der unzähligen Opfer des Nationalsozialismus jemals verwirklichen können?

G.D. Anfangs war die Idee des Gedenkens der Opfer für mich ein theoretisches Konzept – 6 Millionen STOLPERSTEINE für Europa zu realisieren eher eine absurde Idee. Dann ist die Idee ist im selben Jahr bei Lindinger & Schmid in dem Buch “GRÖßENWAHN – Kunstprojekte für Europa” publiziert worden. Das Zusammentreffen war zufällig. Daraufhin habe ich aber schon mit konkreten Überlegungen begonnen, das Ganze möglicherweise auch in die Realität umzusetzen.

 
Es war dann der Pfarrer Kurt Pick von der Antoniter-Gemeinde in Köln, der die Sache ins Rollen brachte: “Na ja, 6 Millionen Steine kannst Du nicht schaffen; aber um ein Zeichen zu setzen, könntest Du ja klein anfangen”. 1994 ist aus dieser Bemerkung eine kleine Ausstellung in der Antoniterkirche mit den ersten 250 STOLPERSTEINEN entstanden und später wurden diese Steine auch verlegt.

U.F. Am Anfang stand die Idee des Gedenkens der Menschen, die aus ihren Häusern abgeholt und ermordet wurden. Seit 2000 bis jetzt haben Sie fast zweitausend STOLPERSTEINE in Deutschland verlegt.
Welche Überlegungen und Vorstellungen gingen der technischen Umsetzung voraus?

G.D. Die bekannten zentralen Denkmäler können nur allgemein der Opfer gedenken und sind zum Teil auch nur auf bestimmte Opfergruppen bezogen. Auf dem STOLPERSTEIN bekommt das Opfer seinen Namen wieder, jedes Opfer erhält einen eigenen Stein – seine Identität und sein Schicksal sind, soweit bekannt, ablesbar. Durch die persönliche Erinnerung an den Menschen, vor dem Haus, in dem er bis zur Deportation gewohnt hat, wird die Erinnerung ganz konkret in unseren Alltag geholt. Wobei jeder persönliche Stein wiederum auch die Gesamtheit der Opfer symbolisiert, denn alle eigentlich nötigen Steine kann man nicht verlegen. In Köln müssten sonst ganze Strassenzüge mit STOLPERSTEINEN gepflastert werden. Das Projekt kann letztlich nur Zeichen setzen.

 
Meine Vorstellung war ja eigentlich, dass die Steine durch das Begehen immer wieder so richtig blank poliert werden und damit die Erinnerung jedesmal neu aufgefrischt wird. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es nicht überall auch so funktioniert: In kleineren Strassen treten die Leute nicht auf die STOLPERSTEINE. Womöglich taucht dabei der Gedanke an einen kleinen Grabstein auf, obwohl diese Assoziation nicht beabsichtigt war; andererseits ist anzunehmen, dass es für die meisten Opfer keinerlei Grabsteine gibt.

 
Wenn der Stein also nicht oft begangen wird, beginnt das Metall zu oxydieren und es bildet sich eine Schutzschicht; d.h. es wird erst bräunlich, dann fast schwarz – allerdings bleibt die Schrift trotzdem gut lesbar. Die Verfärbung wird von einigen Betrachtern irrtümlich als Verschmutzung angesehen. – Zu dem Aspekt des ’Betreten’ eines STOLPERSTEINES habe ich erfahren, dass es in der jüdischen Philosophie durchaus eine direkte Verbindung zwischen Begehen und Lesen gibt; darüber schreibt Jacques Derrida in einem Aufsatz über Edmund Jabès in: Die Schrift und die Differenz.

 

U.F. Wie setzen Sie Ihre Idee technisch um und welche Arbeitsschritte gehören zur Herstellung der STOLPERSTEINE?

 

G.D. Die Ausführung und das Verlegen der Steine war mir relativ schnell klar. – Die Steine haben eine Grundfläche von 1o x 1o cm und sind 1o cm hoch, d.h. sie sind später 1o cm tief in die Gehwege eingelassen. Natürlich plano – das “Stolpern” soll ja nur symbolisch sein. Der Text wird mit Schlagbuchstaben in 1mm starkes, halbhartes Messingblech eingeprägt und ist damit nicht mehr zu korrigieren oder zu entfernen. Die Enden des Blechstreifens werden nach hinten gefalzt und durch zwei Bohrungen wird Baustahl zur Armierung eingesetzt. In einer Stahlform werden jeweils 4 Bleche mit Estrichbeton hinterfüllt, auf dem Rütteltisch hoch verdichtet und sofort wieder ausgeformt. Nach einer Anfangshärtung erhalten die Steine ihre maximale Festigkeit durch ein Wasserbad von der Dauer einer Woche.

 
Zum Verlegen wird der Straßenbelag vor Ort entfernt und ein ca. 5 cm dickes Bett aus Estrichbeton eingebracht, die STOLPERSTEINE werden eingepasst und mit Quarzsand und Portlandzement verfugt, eingeschlämmt und danach gesäubert. Die Steine sind damit relativ sicher verlegt; gegen Vandalismus ist allerdings nichts zu machen. Bei fälligen Bauarbeiten können die Steine entfernt und hinterher an derselben Stelle wieder eingesetzt werden. Inzwischen wurde mir sogar vom Amt für Straßen- und Verkehrstechnik von Köln bescheinigt, dass ich das Verlegen fachmännisch ausführe.

 

U.F. Es ist ungewöhnlich, kleine Gedenksteine auf dem Pflaster vorzufinden, zu unseren Füßen, und ihre Entdeckung löst Irritation aus: Plötzlich fühlt man sich in eine andere, vergangene Zeit versetzt, wird mit ihr konfrontiert. Obwohl die STOLPERSTEINE bescheiden und relativ unauffällig im Pflaster liegen, wird man an die Lebensschicksale der verfolgten und ermordeten Menschen in diesen

 

 Häusern erinnert. Wir sind ja eher an richtige Denkmäler und Gedenktafeln für bekannte Persönlichkeiten gewöhnt. – Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Gedenksteine in den Straßenraum zu verlegen?

 

G.D. Zunächst einmal durch die Überlegungen und inzwischen auch die Erfahrung, dass viele Hausbesitzer solche Tafeln wahrscheinlich verhindern würden. So ist es z.B. in Köln-Deutz vorgekommen, dass ein Hausbesitzer behauptet hat, das jüdische Ehepaar Grünberg hätte nie in seinem Haus gewohnt. Es stellte sich jedoch heraus: Sie haben doch dort gewohnt und das Haus wurde arisiert. Wenn ich jedes Mal die persönliche Zustimmung des Eigentümers einholen müsste, wäre das Projekt längst gestoppt worden und kaum zu realisieren.


Der Trottoir dagegen ist öffentlicher Straßenraum; d.h. wenn eine Gemeinde oder Stadt die Verlegung der STOLPERSTEINE einmal beschlossen und genehmigt hat, lassen sich schwerlich noch Gründe für eine Ablehnung finden. Außerdem blicken die meisten Menschen doch eher auf den Boden als an den Hauswänden empor – dadurch geraten die Steine eher in den Blick der Vorübergehenden. Hinzu kommt der Aspekt des Begehens und des Lesens – die Irritation des Ungewohnten wird noch verstärkt.

U.F. Sie sprachen von der Gemeinde oder der Stadt, die das Verlegen beschließen und genehmigen muss. Jedoch mit den ersten Steinen war das noch nicht so einfach und die ersten Verlegungen in Berlin waren doch auch nicht so ganz legal.

G.D. In Berlin wurde ich 1996 von der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) in Kreuzberg eingeladen, zu einer Ausstellung mit dem Thema: “Künstler forschen nach Auschwitz”. Ein irritierender Titel für eine interessante Ausstellung. Neben der Arbeit, die sich mit der Rolle der Reichsbahn befasste, schlug ich vor, 51 STOLPERSTEINE in der Oranienstraße zu verlegen. Allerdings standen mir nur drei Monate für einen Antrag zur Verfügung und in Köln lief diese Prozedur ja schon ein Jahr. Also die Zeit war einfach zu knapp; ich habe sie dann illegal verlegt. Nachdem drei Steine drei Monate von den Behörden unbeachtet blieben, waren sie bei Bauarbeiten im Wege und sollten entfernt werden. Die Arbeiter weigerten sich mit dem Hinweis, dass es ja ein Denkmal seien – so wurde das Tiefbauamt auf die STOLPERSTEINE aufmerksam und mußte nun aktiv werden. Nach einer Ortsbegehung wurden sie nachträglich legalisiert. Es blieb allerdings zunächst nur eine Ausnahmegenehmigung.

 

U.F. Sie leben in Köln und 1995 begannen Sie in dieser Stadt das STOLPERSTEINE-Projekt – inzwischen liegen 1200 Steine vor 25o Häusern. Welche Schwierigkeiten gab es am Anfang und wie ging es danach weiter?

G.D. Die ersten Probeverlegungen waren in Köln, gleichzeitig lief ein Antragsverfahren an die Stadt, das Verlegen in größerem Stil zu genehmigen. Es hing an den oberen Etagen der Stadtverwaltung, dass es zunächst mit der Genehmigung überhaupt nicht weiterging. Im Jahr 1997 ermunterte mich Dr. Schäfke, der Direktor des Stadtmuseums, doch noch einmal einen neuen Anlauf zur Realisierung des Projektes zu unternehmen. Daraufhin begann der Weg durch die Instanzen: der Kunstbeirat, der Kulturausschuss, die Bezirksvertretungen, das Tiefbauamt, das Amt für Straßen und Verkehrstechnik, das Stadtplanungsamt, der Haushaltsausschuss und zu guter letzt der Rat der Stadt. Mit einer Gegenstimme (im Rat war ein Republikaner) wurde das Projekt genehmigt. Drei Jahre hat die ganze Prozedur gedauert. Im April 2ooo war es dann soweit und die Arbeit konnte endlich beginnen.


Inzwischen ist die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sehr gut und auf die STOLPERSTEINE wird sogar bei Stadtrundfahrten hingewiesen, für die Volkshochschule mache ich regelmäßig DIA-Vorträge über die Idee und die Entwicklung der Arbeit. Auch von den Kölner Bürgern ist das Projekt gut angenommen worden und jede Woche kommen neue Anfragen für weitere Steine. Die Menschen sind plötzlich interessiert – was war hier in meinem Haus oder in meiner Straße, wer weiß noch etwas davon?

U.F. Erst im Jahr 2000 konnten Sie auch in Berlin weitere Steine verlegen. Eine Bürgerinitiative und Mr. Robins aus Südafrika übernahmen 2000 die ersten Patenschaften. Wie ging es danach weiter?

 

G.D. Ja, eine Bürgerinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit beantragte Patenschaften für die Dresdner Straße und kurz danach kam die Anfrage von Mr. Robins aus Südafrika. Mr. Robins, ein Angehöriger der Robinskys, jüdischen Opfern, die in der Naunynstrasse gewohnt hatten und in Auschwitz umkamen, fragte beim KreuzbergMuseum an, ob es möglich sei, auch für seine Tante und seinen Onkel STOLPERSTEINE zu verlegen. Daraufhin hat sich die Bezirksvertreterversammlung intensiver mit dem Projekt befasst. Sie beschloss, es in ganz Kreuzberg zu initiieren und möglichst viele STOLPERSTEINE zu verlegen. Durch die Fusion der Bezirke kam dann Friedrichshain dazu und in Berlin-Mitte hat die Gedenktafelkommission die Idee übernommen. In beiden Bezirken liegen bis jetzt ca. 3oo Steine und zahlreiche weitere sind geplant.

 
Inzwischen haben auch in anderen Berliner Bezirken Vorarbeiten begonnen; in Friedenau hat sich eine private Initiative gebildet, die in ihrem näheren Umkreis STOLPERSTEINE plant und von einem früheren Bewohner Neuköllns kam die Anfrage, ob auch dort das Verlegen möglich sei und über Dänemark kam der Auftrag für zwei Steine in Lichtenberg. Das bedeutet allerdings auch, dass immer wieder neue Genehmigungsverfahren beantragt werden müssen – für jeden Berliner Bezirk eine eigene.

U.F. Woher erhalten Sie die Informationen, die sich auf den STOLPERSTEINEN wiederfinden und wer hilft Ihnen bei den Recherchen?

G.D. Es sind verschiedene Vereine und Organisationen, die mir bei den Recherchen der historischen Daten helfen. In Köln ist es hauptsächlich das EL-DE-Haus, der ROM e.V., der VVN und der SchwulenGeschichtsverein. In Berlin kann ich auf das Gedenk-buch zurückgreifen, auch die Heimatmuseen helfen mit Informationen weiter. In Bonn ist es der Verein an der Synagoge und das Stadtarchiv. Wenn ich Informationen zu jüdischen Bürgern benötige, frage ich bei der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem nach. Von dort bekomme ich auch viel inhaltliche Unterstützung.

 
Die Quellenlage ist jedoch noch sehr unterschiedlich: Es gibt Gemeinden, wie z.B. im Bergischen Land oder in der Pfalz in denen die Aufarbeitung der Geschichte noch am Anfang steht.

U.F. Mit viel Ausdauer und eigenem Engagement haben Sie das Projekt in Köln und Berlin begonnen. Heute, im Jahr 2002, gibt es zweitausend STOLPERSTEINE in ganz Deutschland. Ständig kommen neue Orte und Gemeinden hinzu: In der näheren Umgebung von Köln sind es die Gemeinden Erkelenz, Wermelskirchen, Euskirchen und Brühl. In Städten wie Bonn, Hamburg und Freiburg gibt es Paten und es kommen immer weitere Anfragen hinzu; ganz aktuell aus Essen und Duisburg. Wie schaffen Sie das alles und erhalten Sie Unterstützung vor Ort?

 

G.D. Meine Erfahrung ist: Je mehr Steine verlegt sind, desto mehr Anfragen erreichen mich. In Köln kann man das beobachten, ebenso in Berlin und ganz Deutschland.


Inzwischen erfahre ich viel Unterstützung und Interesse. Es sind immer mehr engagierte Bürger, die sich schriftlich oder telefonisch an mich wenden und nachfragen, ob und wie so ein Projekt auch für ihre Stadt realisierbar sei. Dafür gebe ich Ihnen Informationen über die notwendigen Schritte bei den Behörden sowie für die Recherchearbeit.


Gemeinsam versuchen wir in den Orten Vereine oder Institutionen zu finden, die beim organisatorischen Teil der Arbeiten helfen können, die z.B. die Recherchen oder die Abrechnung von Patenschaften übernehmen. Manche Bürger bieten da sehr engagierte Unterstützung an: So können sich Interessierte in Bonn an den “Verein an der Synagoge” wenden, in Hamburg an Peter Hess, der sich privat sehr einsetzt für die STOLPERSTEINE, auch für Freiburg gibt es inzwischen eine Ansprechpartnerin: Frau Marlis Meckel und für Breisach: Frau Dr. Walesch-Schneller. In diese Städte wurde ich eingeladen von Menschen, die sich für die Realisierung der STOLPERSTEINE einsetzen. Gerade in den letztgenannten Städten gibt es soviel Unterstützung und persönliches Engagement – das wirkt schon als Bestätigung und Ermutigung für meine Arbeit. Ebenso erschien am 23. April im Hamburger Abendblatt ein Artikel über die STOLPERSTEINE und seitdem steht mein Telefon nicht mehr still, Menschen erzählen mir ihre Lebensschicksale und innerhalb einer Woche wurden zahlreiche Patenschaften übernommen.

 

U.F. Durch die Medien, wie Presse, Rundfunk und Fernsehen erfahren die STOLPERSTEINE zunehmende Öffentlichkeit. Es erschienen bis jetzt zahlreiche Artikel - die Tageszeitungen von Köln und Berlin berichten schon fast regelmäßig über neue Entwicklungen des Projektes und überregional gibt es Berichte in der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Rundschau und in der FAZ. Im Hessischen Rundfunk und dem WDR-Hörfunk wurden Interviews mit Ihnen gesendet; die BBC drehte einen Dokumentarfilm und der WDR ebenfalls. Erhalten Sie darauf Reaktionen?

G.D. Manchmal gibt es ganz spontane Reaktionen. Direkt nach dem Interview im Hessischen Rundfunk erhielt ich einen Anruf aus Wiesbaden, ich wurde gefragt, wie das Projekt organisiert ist und wie man sich beteiligen kann. Zu meiner Freude kann ich sagen, dass in der Bevölkerung ein großes Interesse und große Zustimmung zu erkennen ist und ebenso der Wunsch von vielen Bürgern, sich zu beteiligen.

 

U.F. Der WDR sendete im Schulfunk-Programm einen Film über die tragische Geschichte eines Kölner jüdischen Jungen, an den auch mit einem Stein erinnert wird. – Sie halten auch Vorträge in Schulen und in verschiedenen Städten organisierten Lehrer gemeinsame Schülerprojekte mit Ihnen.
Wie reagieren Kinder und Jugendliche auf diese Thematik, welche Erfahrungen machen Sie während der Arbeit mit Ihnen?

G.D. Ich habe schon etliche Vorträge an Schulen zur Idee der STOLPERSTEINE gehalten und auch gemeinsam mit Schülern Steine verlegt. Die schönste Erfahrung dabei ist für mich das Interesse und die Offenheit von Jugendlichen bezüglich der Thematik des Nationalsozialismus sowie deren Engagement für die Realisierung der STOLERSTEINE.


Eine Schülergruppe der Werner-Heisenberg-Schule in Leverkusen hat das Projekt für ihre Stadt übernommen und sowohl die Forschungen in den Archiven als auch die Organisation der Genehmigungsverfahren mit der Stadtverwaltung durchgeführt. In Köln haben Schüler die Lebensläufe und Schicksale der Verfolgten für die später gemeinsam verlegten Steine erforscht; Schüler des Humboldt-Gymnasium in Köln haben für 33 Steine Patenschaften organisiert.


In Berlin sind in Schulen unterschiedliche Projekte zu den Steinen realisiert worden; so hat zum Beispiel eine Schülergruppe der Carl-von-Ossietzky-Oberschule zur Erforschung der Einzelschicksale zusätzlich die Arisierungsunterlagen in der Oberfinanzdirektion eingesehen und analysiert. Schüler der Oberschule am Köllnischen Park und des Max-Planck-Gymnasiums erforschten in enger Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Luisenstadt die Lebensschicksale von Deportierten und Ermordeten und organisierten Patenschaften für zahlreiche STOLPERSTEINE.

 
Im April realisierte ich in Duisburg gemeinsam mit Schülerinnen des Sophie-Scholl-Berufskollegs und Jugendlichen der Jüdischen Gemeinden Duisburg, Mülheim und Oberhausen ein 3,2o x 2 Meter großes Bodenmosaik. Der Stadtplan Duisburgs ist stilisiert dargestellt und die ehemaligen Wohnorte jüdischer Bürger sind markiert. Es gibt z.Zt. Überlegungen mit der Stadt, das Mosaik auf dem neu zu gestaltenden Bahnhofsvorplatz zu installieren.

 
Immer wieder sind die Jugendlichen mit großem Interesse dabei und nehmen persönlichen Anteil an den Lebensschicksalen. Dadurch können sie die vergangene Geschichte gut nachvollziehen und ich denke, dass Geschichtswissen so sehr anschaulich und konkret vermittelt wird – es schärft auch den Blick für die Gegenwart, mit der in ganz Europa wieder wachsenden Tendenz zu Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit.

 

U.F. Das Verlegen der STOLPERSTEINE bringt Sie in Kontakt mit Bürgern auf der Straße. Welche Reaktionen erleben Sie?

 

G.D. Man spürt schon regional unterschiedliche Temperamente – so sind die Kölner aufgeschlossener als die Berliner, obwohl die auch sehr neugierig sind. In einer Kleinstadt fällt die Aktion stärker auf als z.B. in Köln auf der Domplatte, wo viele Touristen unterwegs sind, die natürlich nach oben zum Dom schauen und nicht auf STOLPERSTEINE. Auch in der eigenen Wohnumgebung bleiben die Leute eher stehen und fragen nach. Manchmal treffe ich auch Zeitzeugen, die mir noch Einzelheiten zu den Einzelschicksalen berichten können. Manche erzählen mir auch, wie Menschen abgeholt wurden oder verschwunden sind; viele haben dabei zugesehen und davon gewusst.

 
Es ist schon ganz unterschiedlich – manchmal bleibe ich allein, aber oftmals beginnen sehr interessante Gespräche innerhalb des Publikums. Durchaus kontroverse Diskussionen werden geführt: Als zum Beispiel ein Passant meinte, dass ja die Angehörigen der Opfer heute die Millionen abkassieren würden, gab es ein spontanes und heftiges Streitgespräch. Und wie zu erwarten, werden auch schon mal die Opfer der alliierten Luftangriffe auf Deutschland mit den Opfern des Holocaust aufgerechnet – jedoch sind das die Ausnahmen. Insgesamt kann ich sagen, dass ich auf große Zustimmung treffe bis hin zu Passanten, die direkt vor Ort eine Patenschaft übernehmen wollen.

U.F. Es stellt sich die Frage der Finanzierung des Projektes. Die Städte und Gemeinden akzeptieren die STOLPERSTEINE als Geschenk – Sie machen Recherchen, die Herstellung und das Verlegen der Steine. Wie wird das alles finanziert?

 

G.D. Da von vornherein klar war, dass die notorisch finanziell klammen Städte für so ein Projekt kein Geld haben werden, waren private Geldgeber gefragt; d.h. eine Privatperson, ein Verein, eine Partei, eine Organisation, etc. Sie können Patenschaften für einen ganz speziellen Stein oder auch mehrere übernehmen. Der Preis für einen STOLPERSTEIN liegt bei 95 EURO (abhängig von besonderen Verlegekosten).

U.F.
Bis jetzt hörte sich alles sehr positiv an. Nur kurz erwähnten Sie die ablehnende Reaktion eines Hauseigentümers, der nicht an die Arisierung erinnert werden wollte. Gab es sonst noch irgendwelche Bedenken oder auch schon mal Ablehnung in manchen Orten?

G.D. Ein Hausbewohner eines Einfamilienhauses in Köln-Bickendorf hat mich gebeten, auf das Verlegen zu verzichten, da sich im Nachbarhaus regelmäßig rechtsextreme Gruppen treffen würden und er hatte Angst vor deren Reaktionen. Der Stein liegt erst mal nicht – schlimm genug, dass jemand Angst haben muss. Auch der Name auf der Erde hat speziell den Roma und Sinti Probleme bereitet, obwohl fast alle katholisch sind und man in den Kirchen über richtige Grabplatten läuft. Ablehnung erfuhr ich zum Beispiel von der Stadt Leipzig: Sie wollen das Projekt nicht übernehmen, u.a. mit der Begründung, dass die STOLPERSTEINE formal und inhaltlich Ähnlichkeit hätten mit dem Hollywood Boulevard in L.A. Auch in Kassel gab es Probleme – dort hat man die symbolische Auswahl einzelner Häuser verglichen mit der Selektion an der Rampe in Auschwitz. .

U.F.
Gab es auch schon mal Vandalismus an fertig verlegten Steinen?

G.D.
Ja, es gibt auch Zerstörung und Vandalismus – in der Kölner Südstadt ist ein Stein zerschlagen worden, im Kölner Norden sind an zwei Stellen Steine aus dem Trottoir entfernt worden. Im ersten Fall hat der Besitzer den Stein als Affront gegen sein Haus empfunden und für sich die Gnade der späten Geburt reklamiert ; in den anderen Fällen sind technische Gründe vorgeschoben worden. Vor der Kölner Universität wurde mutwillig versucht, das Messingblech abzumontieren und dabei stark beschädigt.

 
An allen Stellen liegen aber neue STOLPERSTEINE; zum Teil auch nach Gesprächen mit den Hausbesitzern. Im Verhältnis zur Gesamtzahl von 2000 Steinen

 

stolpersteine-elmshorn.de/artikel/demnig/demnig.htm

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Jeder Stein ein verlorenes Leben

 

Gunter Demnig verlegt "Stolpersteine" zum Gedenken an die Opfer der Nazi-Zeit im Straßenpflaster. Zuerst in Berlin und Köln, nun in Ungarn. Porträt eines Künstlers zwischen Gedenken und Geschäft Jeder Stein ein verlorenes Leben

 

Hinter Gunter Demnigs Rücken wispern die Leute immer mal wieder etwas von "Shoa-Business". Ein bösartiges Wortspiel mit dem hebräischen Wort für den systematischen Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden und Showbusiness, dem auf Aufmerksamkeit und Profit ausgerichteten Showgeschäft. Dem Regisseur Steven Spielberg wurde nach "Schindlers Liste" Ähnliches vorgeworfen.

 

Ähnlich wie Spielberg hat Gunter Demnig Erfolg mit der Erinnerung an die Nazi-Zeit durch Kunst. Er will für jeden von den Nazis Ermordeten wie Juden, Zigeuner, Zeugen Jehovas, Homosexuelle oder Euthanasieopfer einen Gedenkstein setzen, den Angehörige oder andere bezahlen. Kosten: 95 Euro. Bisher gibt es in mehr als 190 Orten 11 000 Steine, rund 1600 davon in Berlin. Jüngst wurden die ersten drei Steine in Ungarn einzementiert. Wie immer von Demnig selbst. Abgeben kommt für ihn nicht infrage. "Oftmals beginnen sehr interessante Gespräche innerhalb des Publikums."

 

Demnig ist 60 Jahre alt. Sein schwarzes Hemd etwas zu weit aufgeknöpft. Im Gespräch wirkt er abwesend. So als sei er in Gedanken schon beim nächsten Stein. Die Idee zu den "Stolpersteinen" kam ihm Mitte der Neunziger, als er mit einer Kunstaktion an die Deportation der Roma und Sinti aus Köln erinnerte. Eine alte Frau sprach ihn damals an und behauptete, "in unserem Viertel haben doch nie Zigeuner gewohnt".

 

Demnig wurde klar, dass die wenigsten Menschen heute wissen oder wissen wollen, was zwischen 1933 und 1945 in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft geschah. Dass dort Menschen aus ihren Wohnungen und Leben herausgerissen und verschleppt wurden. Und hier, mitten im Alltag, soll seiner Meinung nach an die Opfer erinnert werden. Den zentralen Gedenkstätten wie dem Holocaust-Mahnmal "kann ja jeder einfach ausweichen".

 

1971 wurde er wegen einer Installation gegen den Vietnamkrieg in seinem Kreuzberger Atelier verhaftet. Ganz so schlimm war es bei den ersten "Stolpersteinen" nicht, obwohl er sie als Guerilla-Aktion verlegte. Keine Erlaubnis, nicht legaler als Graffiti an einer Hauswand. An der Oranienstraße mauerte er die ersten 55 Berliner "Stolpersteine" in den Bürgersteig. Es geschah im Rahmen der Ausstellung "Künstler forschen nach Auschwitz". Erst im Jahr 2000 wurden die zehn Mal zehn Zentimeter großen Pflastersteine mit der gravierten Messingplatte nachträglich legalisiert. Aber nicht jeder möchte einen Stein mit der Aufschrift "Hier wohnte Hans Abraham Ochs, Jahrgang 1928, Tod am 30.9.1936, erschlagen von Hitler-Jugend" vor der Tür haben. Ein Anwalt klagte. Demnig setzte die Steine ein bisschen weiter weg.

 

Über seine "Stolpersteine" stolpert man - zumindest gedanklich. Gerade auch die ersten in Ungarn. Ungarn tut sich schwer mit seiner Rolle im Zweiten Weltkrieg. Obwohl der Staat im Zweiten Weltkrieg mit dem Deutschen Reich verbündet war, blieben die rund 800 000 im Land lebenden Juden bis 1944 vom NS-Völkermord verschont. Doch dann begannen die Deportationen mit großer Geschwindigkeit. Am Ende waren es rund 600 000 Juden, die deportiert wurden. Das deutsch-ungarische Kultur-Projekt Bipolar hat nun die ersten 50 Steine für Ungarn gesponsert. Ein orthodox gekleideter Mann kommt dazu in die Budapester Fußgängerzone, als Demnig seine Steine vor Zuschauern einsetzt. Er las von der Aktion in der Zeitung und reiste eigens dazu an.

 

Gunter Demnig wuchs in Nauen und Berlin auf. 1967 begann er sein Studium der Kunstpädagogik an der Hochschule der bildenden Künste in Berlin, beendete es 1974 mit dem Staatsexamen in Kassel. Doch Demnig wollte kein Kunstlehrer werden. Er wollte Künstler sein. Also begann er sein Kunststudium an der Universität Kassel. Sein Sendungsbewusstsein ist deutlich spürbar. Zwar will er lehren, aber der Rahmen der Schule ist ihm doch zu eng. Und so wurde er Künstler statt Kunstlehrer.

 

Gern reist er durch die Republik und veranstaltet Dia-Abende. Seine Lebensgefährtin und Assistentin Uta Franke bedient dann oftmals den Projektor. Routiniert hält er dabei einen Vortrag über sein Leben: Und der enthält schon Skurriles. So entwarf Demnig 1988 für die Grenzkontrollpunkte, über die man in den West-Teil als Autofahrer gelangte, "Teppiche" aus Dachdecker-Bleiblech. Jeder, der an diesem Tag Berlin erreichte, hinterließ in den Bleirollen den Druck der Autoreifen oder auch eine Trittspur.

 

Demnig mag "Dauerhaftes" genauso wie Flüchtiges: Einmal ist er von Kassel nach Venedig gelaufen und hat dabei einen Bindfaden gespannt, ein anderes Mal sammelte er mit seinem "Staubsammler" Hinterlassenschaften zwischen Kassel und Köln. Er will raus, mit ihnen in Kontakt kommen. "Ich habe nichts gegen Kunst im Museum - die soll und muss es unbedingt geben. Aber mich persönlich hat sie nie sehr interessiert", sagt Demnig.

 

2005 bekam er den "Obermayer German Jewish Award", der das Engagement nicht-jüdischer Deutscher für die Bewahrung und Erinnerung jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens in Deutschland würdigt, ein Jahr später bekam er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und die Alternative Kölner Ehrenbürgerschaft - als Zweiter nach dem katholischen Pfarrer Franz Meurer.

 

"Um den Stein lesen zu können, muss man sich vor dem Opfer verbeugen", sagt Demnig. Dass die Passanten die Steine ebenso mit Füßen treten, ist eine Parallele zu den damaligen Ereignissen. Zu wenige Deutsche wollten bemerkt haben, dass Nachbarn deportiert wurden. Das sei unangenehm, aber noch eine relativ harmlose Reaktion. Demnig erhielt auch schon eine Morddrohung. "Nur eine", sagt er lächelnd. Das sei doch akzeptabel. Für ihn geht es ums Leben. Oder den Tod. Nicht ums Geschäft.

 

WAMS Print, 20.05.2007,  von Dirk Krampitz

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Der Mann der Stolpersteine

Am 6. Oktober 2009 hat Gunter Demnig in schönster Halbhöhenlage für Martha und Otto Hirsch zwei Stolpersteine verlegt. Das jüdische Ehepaar hatte einst dort oben, am Stuttgarter Gähkopf, gewohnt und war 1942 - er im KZ Mauthausen, sie in Riga - von den Nationalsozialisten ermordet worden. Am Montagabend erhält Demnig im Rathaus die Otto-Hirsch-Medaille. "Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung und nehme sie gerne entgegen - auch stellvertretend für die vielen Helferinnen und Helfer, die gerade in Stuttgart meine Aktion tragen und überhaupt erst möglich machen", sagt er.

 

Ein Hinterhof in der Kölner Innenstadt. Hier lebt und arbeitet Gunter Demnig. Das Atelier des gebürtigen Berliners, Jahrgang 1947, gleicht einem kreativen Chaos: Bücher und Bilder, Skulpturen und alte Möbel, Kunst und jede Menge Krempel, Bett und Büro auf einem hohen Holzgestell, die kleine Küche in einer Ecke. Kaum zu glauben, dass sich einer darin zurechtfindet, gar die Disziplin aufbringt, an 200 Tagen im Jahr irgendwo pünktlich zur Stelle zu sein, wenn es gilt, Stolpersteine, die an die Opfer des NS-Regimes erinnern, in Gehwege einzulassen. "Ich muss hier raus, stecke mitten im Umzug", erzählt Demnig beiläufig. Im alten Stellwerk der Köln-Benzelrieder Eisenbahn, draußen in Frechen, habe er ein neues Domizil gefunden. Der Ort ist bundesweit bekannt, weil der TV-Unterhalter Alfred Biolek dort einst seine Kultsendung "Bio"s Bahnhof" gemacht hat.

 

Rückblick. Im Mai 1990 will der Künstler Demnig mit einer "Kreidespur", die aus der Stadt zum Bahnhof führt, daran erinnern, dass die Nazis 50 Jahre zuvor eintausend Kölner Sinti und Roma, seit Generationen angesehene Bürger der Stadt, in die Messehallen nach Deutz gebracht haben - und von dort aus in die Vernichtungslager. Erst im letzten Augenblick stimmt die Verwaltung seiner Aktion zu. Als sich herausstellt, dass der Bildhauer gar keine richtige Kreide, sondern "feinste Fassadenfarbe" für seine Spur verwendet hat, gibt es Probleme - die jedoch im Sande verlaufen.

 

Demnig berichtet: "Während dieser Aktion kam eine ältere Frau auf mich zu und sagte: ,Hier in unserer Nachbarschaft haben doch gar keine Zigeuner gewohnt." Als ich ihr einige Namen der Deportierten nannte, schwieg sie betreten - sie hatte gar nicht gewusst, dass viele ihrer früheren Nachbarn tatsächlich Sinti und Roma gewesen sind." Dieser Vorfall brachte den Künstler auf die Idee seines Lebens: "Mit den Stolpersteinen möchte ich die Leute daran erinnern, wer in ihrer Stadt, in ihrer unmittelbaren Nähe gelebt hat und von dort aus verhaftet, deportiert und ermordet worden ist." Deshalb trügen die goldenen Messingplatten seiner kleinen Quader die Namen und die wichtigsten Lebens- und Todesdaten der Opfer.

 

Bis heute hat Demnig in zehn europäischen Staaten Stolpersteine verlegt, in 611 deutschen Städten und Gemeinden. In der Rückschau sagt er: "Ich hätte nie gedacht, was aus meinen kleinen Anfängen in Köln einmal werden würde: das größte dezentrale Denkmal der Welt." Ursprünglich sei seine Aktion von der Obrigkeit als illegal betrachtet worden, also sei er anfänglich auf privaten Grund und Boden ausgewichen. Die Idee, Gedenktafeln an Häuser anzubringen, habe er nach dem heftigen Widerstand vieler Hausbesitzer verworfen. Gegen die Stolpersteine auf öffentlichen Gehwegen indes könnten die privaten Grundeigentümer nichts einwenden.

 

Trotzdem schwelen die Konflikte um das Erinnern an die Naziopfer bis heute. In München beispielsweise verweigert der SPD-Oberbürgermeister Christian Ude beharrlich Gunter Demnig die Genehmigung; Charlotte Knobloch, die langjährige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, die dort zu Hause ist, war dagegen. Ihren Vorbehalt, "jüdische Opfer werden wieder mit Füßen getreten", kontert der Künstler so: "Wer einen Stolperstein auf dem Trottoir entdeckt und liest, was darauf steht, der muss sich herunterbeugen - auf diese Weise verbeugt er sich zugleich vor den Opfern."

 

Im November hat Demnig in München doch seine ersten zwei Stolpersteine verlegt: in der sonntäglichen Fernsehserie "Lindenstraße", was seine bundesweite Bekanntheit noch gesteigert hat. Im Internet quittierte die rechte Szene diese Aktion mit wütenden Schmähungen, offenem Antisemitismus und geschmacklosen Angriffen. Demnig lässt sich davon nicht beirren: "Ich habe im Laufe der Zeit schon mehrere Morddrohungen erhalten, aber Angst habe ich nicht." Vielerorts stünden die jüdischen Gemeinden hinter seiner Aktion, er habe schon Auszeichnungen von ihnen bekommen. Dass man sich in München immer noch gegen ihn stellt, schmerzt ihn schwer.

 

Und in Stuttgart? Bereits Ende der achtziger Jahre hat im Osten der Stadt die von privater Seite getragene Spurensuche nach den Opfern des Nationalsozialismus begonnen. 2003 wurde Gunter Demnig hierher eingeladen, um seine ersten Stolpersteine zu verlegen. Bis heute sind es fast 600.

 

Ihr Erfinder ist voll des Lobes und des Respekts: "In Stuttgart gibt es inzwischen 17 Initiativen, die in den Stadtbezirken recherchieren, meine Arbeit vorbereiten, Veröffentlichungen und Veranstaltungen machen, das Tiefbauamt unterstützt meine Verlegungen auf den Gehwegen. Eine solche Basis haben mein Helfer und ich in keiner anderen Stadt." Also komme er zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst; die nächsten Termine stünden längst fest. An vielen Orten, auch in der Region um Stuttgart herum, nehme man sich die hiesigen Initiativen zum Vorbild.

 

27 000 Stolpersteine in zwanzig Jahren, fast ständig unterwegs, kaum ein Privatleben und keine Zeit für andere Kunstprojekte - besteht da nicht die Gefahr, zum Sklaven seiner eigenen Idee zu werden? Die Antwort kommt prompt: "Vor wenigen Tagen war ich zum zweiten Mal in Rom, habe dort mehr als fünfzig Steine verlegt." An einer Stelle seien eigens zwei Nachfahren der Opfer aus Israel angereist. Als sie sagten, sie besäßen kein einziges Foto ihres ermordeten Vorfahren, wüssten also auch nicht, wie er ausgesehen habe, da sei eine Nachbarin ins Haus gegangen und mit einem alten Klassenfoto zurückgekehrt. Darauf sei auch der Vorfahre zu sehen gewesen. Da habe er, selbst nach so vielen Jahren, "eine Gänsehaut bekommen".

 

Das seien die Momente, die ihn darin bestärken, immer weiterzumachen, sagt Demnig mit tiefem Ernst. Deshalb wehre er sich gegen Nachahmer, die es leider auch gebe - deshalb habe er sich vorbehalten, alle Stolpersteine eigenhändig in den Boden einzulassen. Er nennte sie "eine soziale Skulptur", und er bekennt, "dass ich als Alt-68er damit auch einen politischen Anspruch verbinde". Im Übrigen staune er immer wieder, wie viele Menschen zu den Verlegungen kämen, wie interessiert die Schulklassen seien, aber auch öffentliche Honoratioren. Mehr und mehr treffe er an seinen Stolpersteinen die Enkel und Urenkel der Opfer aus aller Welt. Und er habe an vielen Orten echte Freunde gefunden. Am Montagabend, das sei schon ausgemacht, werde er nach der Verleihung mit seinen Stuttgarter Freunden feiern - er sei nämlich, selbst wenn man ihm das auf den ersten Blick nicht ansehe, ein heiterer Zeitgenosse.

 

Ach, und dann ist da ja noch der unvermeidliche Hut, quasi sein Markenzeichen. Hat der womöglich mit Joseph Beuys zu tun? Nein, sagt Demnig, und lacht: "Ich hab mal als junger Mann im Fundus der Deutschen Oper gejobbt. Eines Abends, als es regnete, hab ich mir einfach einen Hut gegriffen, um nicht nass zu werden - bei dem Hut ist es geblieben." Den freilich setzt Gunter Demnig nur höchst selten ab, schon gar nicht in geschlossenen Räumen. Also auch nicht am Montagabend, wenn er im Stuttgarter Rathaus die Otto-Hirsch-Medaille bekommt, die an den Mann erinnert, der Zehntausenden von Juden zur Flucht vor den Nazis verholfen hat und der selbst auf eine mögliche Flucht verzichtet hat, wohl wissend, dass ihn das sein Leben kosten werde. Seit dem 6. Oktober 2009 gibt es auch für Otto Hirsch einen Stolperstein.

 

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 22.01.2011 Von Thomas Borgmann

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Interview mit Gunter Demnig: 40.000 Stolpersteine -  40.000 Schicksale

 

Es ist längst ein unvergleichliches Lebenswerk - das Stolpersteinprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. In dieser Woche hat er in den Niederlanden den 40.000. Stein verlegt. Ein Gespräch über die illegalen Anfänge, die Kritik an seiner Arbeit und den Wunsch, mit diesem Projekt alt zu werden.

 

Der Bildhauer Gunter Demnig verlegt seit 1996 vor den früheren Wohnorten von Opfern des Nationalsozialismus sogenannte Stolpersteine - quadratische, mit einer Messingplatte besetzte Steine, auf denen Geburts- und Todesdatum der Opfer eingraviert sind. Inzwischen findet man in rund 820 deutschen und 200 ausländischen Städten die Stolpersteine des Kölner Künstlers.

 

WDR.de: Sie haben in dieser Woche im niederländischen Drieborg Ihren 40.000. Stein verlegt. Haben Sie sich jemals vorstellen können, dass dieses Projekt solche Ausmaße annimmt?

 

Gunter Demnig: Ich hatte überhaupt nicht daran geglaubt, damit jemals anzufangen – angesichts der riesigen Zahl an Opfern. Ein Pfarrer aus Köln hatte mir damals aber gesagt: "Na ja, Gunter, die Million schaffst du nie. Aber man kann klein anfangen." Ich habe damals auch nicht mit diesem großen Interesse gerechnet – dass beispielsweise Angehörige in der ganzen Welt sich diese Steine wünschen. Das liegt natürlich vor allem daran, dass die meisten von diesen Menschen keinen Grabstein haben. Und mit am erfreulichsten ist immer wieder das Interesse von Jugendlichen.

 

WDR.de: Und wem ist nun der vierzigtausendste Stein gewidmet?

 

Demnig: Ich kann gar nicht sagen, welches genau der vierzigtausendste Stein ist. Die Gruppe der "Jubiläumssteine" ist jedenfalls niederländischen Kommunisten gewidmet, die Gefangene aus den Straflagern im Emsland über die Grenze geholfen haben und zusammen mit dem Pfarrer ein Versteck unter der Kirche angelegt haben. Am Ende sind sie aber alle verraten und erschossen worden.

 

WDR.de: Wie ist das mit den einzelnen Schicksalen? Haben Sie manchmal tatsächlich nur die nackten Zahlen, die auf die Inschrift kommen, oder erfahren Sie auch mehr über die Menschen?

 

Demnig: Ich erfahre oft beim Akt des Verlegens der Steine mehr, aber es gibt auch Schicksale, bei denen die Nazis es tatsächlich geschafft haben, diese Menschen vergessen zu machen. Auf diesen Steinen steht nur "Deportiert, weiteres Schicksal unbekannt". Das ist eigentlich das Schlimmste, das eintreffen kann.

 

WDR.de: Manchmal sind ja auch Angehörige beim Verlegen der Steine zugegen.

 

Demnig: Ja, das stimmt. Das macht auch insgesamt die Qualität dieser Arbeit aus – welche Menschen da aufeinander treffen. Manchmal kommen auch Zeitzeugen aus den Häusern dazu und berichten, dass sie mit den Opfern gemeinsam in der Schule waren. Dadurch ist das Projekt einfach immer wieder spannend.

 

WDR.de: Eine Routine stellt sich dabei also nicht ein?

 

Demnig: Beim Einsetzen der Steine habe ich schon eine gewisse Routine, aber die dazugehörigen Geschichten sind für mich immer wieder neu und berührend. Diese Woche habe ich beispielsweise im niederländischen Kerkrade sieben Steine nebeneinander gelegt – eine Familie war das. Der Vater ist in Mauthausen gestorben, alle anderen in Auschwitz.

 

WDR.de: Es gibt ja auch immer wieder Kritik an dem Projekt. Unter anderem sagte Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden in Deutschland, da würden Schicksale mit Füßen getreten. Wie gehen Sie damit um?

 

Demnig: Ich finde es eigentlich befremdlich. Dieses Argument, man trampele auf den Menschen herum wie damals die Nazis, finde ich nicht treffend – nicht einmal als Metapher. Denn die Nazis haben sich ja nicht damit begnügt, auf den Menschen herumzutrampeln. Die hatten ein Mord- und Vernichtungsprogramm für alles, was nicht in ihre Ideologie passte. Dieses Argument trägt einfach nicht

 

WDR.de: Sie haben auch so manchen Kampf mit den einzelnen Städten und Gemeinden ausfechten müssen. Was ist Ihnen da in Erinnerung geblieben?

 

Demnig: Das Merkwürdigste hat der Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens gesagt. Der meinte: Diese Steine haben ja schon so viele andere, wir sind ja dann damit nicht die Ersten.

 

WDR.de: Hat Nordrhein-Westfalen es Ihnen denn leicht gemacht?

 

Demnig: Bei den Orten aus NRW weiß ich von keinem, bei dem es nicht geklappt hätte. Aber ich erfahre auch nicht immer alles. Vorher bemühen sich ja immer Initiativen vor Ort um die Stolpersteine, und wenn es nicht klappt, erfahre ich davon auch nicht immer.

 

WDR.de: Angefangen haben Sie aber nicht in NRW, sondern in Berlin.

 

Demnig: Ich wollte in Köln anfangen, aber die Verwaltung hat uns so viele Stolpersteine in den Weg gelegt, dass ich aufgegeben hatte. 1996 gab es dann eine Ausstellung in Berlin, mit dem Titel "Künstler forschen nach Auschwitz". Ich habe mich dann entschieden, die ersten Steine in der Oranienstraße zu verlegen. Da an eine Genehmigung gar nicht zu denken war, habe ich sie illegal verlegt. Drei Monate ist auch nichts passiert, aber durch Bauarbeiten hat die Stadt es dann doch mitbekommen. An einer Stelle musste ich die Steine daraufhin um rund einen Meter versetzen - und damit waren sie legalisiert.

 

WDR.de: Sie selbst sagen, die Stolpersteine sind mein Lebenswerk. Wird dieses Werk irgendwann abgeschlossen sein?

 

Demnig: Nein, ich denke nicht. Wenn ich mich tatsächlich nicht mehr bücken kann, stelle ich mir das so vor, dass jemand anders sie verlegt, aber ich werde dabei sein und sagen: Der Stein muss so und so liegen.

 

WDR.de: Bleibt neben dem Verlegen der Steine dennoch Zeit für andere Projekte?

 

Demnig: Nein. Ich war im letzten Jahr 280 Tage mit den Stolpersteinen unterwegs. Da bleibt keine Zeit für anderes. Und ich muss auch sagen: Da kommt für mich soviel zurück – soviel kann kein Künstler, der als Maler im Atelier arbeitet, jemals erleben.

 

WDR, Das Interview führte Nina Giaramita.

 

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Gunter Demnig mit Auszeichnungen geehrt (Stand 2/2016)

 

'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist', zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

 

2015 Der Eugen-Kogon-Preis der Stadt Königstein ist mit 5000 Euro dotiert.         (13.03.2015)              

 

Preis ist nach dem Publizisten, Politologen und Widerstandskämpfer Eugen Kogon benannt, der bis zu seinem Tod in Königstein wohnte. Kogon rettete im KZ Buchenwald mehreren Juden das Leben. Kogon setzte sich als namhafter Poltiker (CDU-Mitglied) für die Vesöhnung in der Nachkriegszeit und für die Europa-Integration Deutschlands ein.

 

2014 Verleihung des BZ-Kulturpreises in Berlin (20.01.2014)                                    

 

 …für kulturell herausragende Leistungen in der Kategorie Bildende Kunst.

                                                          

Diesen Preis erhielt vor Jahren u. a. auch Anselm Kiefer, Daniel Barenboim, Helmut Newton, Philharmonische s Orchester Berlin, Marcel Reich-Ranicki (Lebenswerk) Klaus Maria Brandauer (Theater). Berlins größte Zeitung ehrt herausragende Künstler-Persönlichkeiten, die mit ihrem Schaffen und ihren Werken die Hauptstadt und Bundesrepublik prägen.

 

2013   Verleihung des Lothar-Kreyssig-Friedenspreises Magdeburg (13.11.2013)                

 

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland ehrt G. Demnig für sein Kunstprojekt „Stolpersteine“, das Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung von Menschen im Nationalsozialismus lebendig hält. Demnig hat sich für die Versöhnung verdient gemacht, besonders im Blick auf jüdische Mitmenschen. Und in der Laudatio wird Demnig als Grenzgänger bezeichnet, der gesellschaftliches Engagement mit einer besonderen künstlerischen Gabe verbindet.

 

2012 Verleihung des Marion-Dönhoff-Preises in Hamburg (02.12.2012)                                                          für internationale Verständigung und Versöhnung    

 

Iris Berben in ihrer Laudatio:  Gunter Demnigs Stolpersteine seien nicht nur das "größte dezentrale Denkmal der Welt", sondern auch "Warnzeichen, wachsam zu bleiben, damit rechtes Gedankengut nie mehr einen solchen Nährboden" erhalte: "Mitten im Alltag, auf dem Weg zur Arbeit, ins Restaurant oder zu einem Freund, werden wir mit unserer Geschichte konfrontiert - durch einen kleinen Hinweis unter unseren Füßen - und daran erinnert, dass so etwas nie mehr passieren darf.

 

2012 Verleihung des Erich-Kästner-Preises Presseclub Dresden (25.11.2012) 

             

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt Demnig. Daher ist auf den Stolpersteinen der Name und das Schicksal der einstigen Bewohner eingestanzt. “Trotz anfänglicher Widerstände hat Gunter Demnig schon mehr als 30.000 Stolpersteine verlegt”, sagt Bettina Klemm, Vorsitzende des Presseclubs Dresden. „Begleitet durch zahlreiche Vorträge und Gesprächsrunden, vor allem mit Jugendlichen, sind die Aktionen von Gunter Demnig ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen.“

 

Avi Primor (israelischer Publizist und ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland): „Die Stolpersteine sind das Gegenteil von Verdrängung. Sie liegen zu unseren Füßen, vor unseren Augen und zwingen uns zum Hinschauen. Durch Projekte wie die Stolpersteine wurde ein Dialog zwischen den Menschen in Deutschland und Israel möglich. Und zwischen-menschliche Beziehungen sind die Grundlage für Beziehungen zwischen Staaten. Gunter Demnig hat den Erich-Kästner-Preis mehr als verdient. Er hat sich gegen alle Widerstände durchgesetzt und die Idee der Stolpersteine mit Engagement lebendig gemacht. Mit dem Strom schwimmen nur die toten Fische.“

 

2012  Verleihung des Europäischen Bürgerpreises in Brüssel (07.11.2012)                         

 

2012  Verleihung des Dr. Bernhard-Heller-Preises (03.05.2012)                                                                     in Temple Emanuel-El, New York

2012  Verleihung des Verdienstordens des Lands Baden-Württemberg            (28.04.2012)

 

im Schloss Ludwigsburg durch Ministerpräsident Kretschmann

 

Gunter Demnig nutzt künstlerische Gestaltungsmöglichkeiten, um die Aufmerksamkeit der Betrachter auf geschichtliche und aktuelle politische Ereignisse zu lenken und sie dadurch zum Nachdenken zu veranlassen. Mit seinen „Stolpersteinen“ schuf er das größte dezentrale Kunst-Denkmal der Welt. So „stolpert“ man „mit dem Kopf und mit dem Herzen“ vor den letzten Wohnstätten von Opfern der NS-Zeit über pflastersteingroße Betonquader, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte mit kurzen Informationen zum Schicksal dieses Menschen befindet.

 

2011  SWR-Bericht: „Menschen unter uns“  Baden-Baden (13.11.2011)                                  

    

Die Gedenksteine des Gunter Demnig“ „Ich bin da so hineingestolpert“

 

Eigentlich sollte es nur eine einzelne Kunstaktion werden. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig wollte mit ihr Passanten zum Innehalten und Nachdenken provozieren. Vor Häusern, deren Bewohner von Nationalsozialisten ermordet wurden, schlug er pflastersteingroße Messingplatten in den Boden, die Namen, Geburts- und Sterbedaten der Ermordeten tragen. Doch bei einer einmaligen Aktion sollte es nicht bleiben: Mittlerweile ist aus dem Bildhauer und Konzept-Künstler Demnig der Schöpfer einer flächendeckenden "sozialen Skulptur" geworden, die sich über ganz Europa spannt. Für ihn wurde sie zu einer Lebensaufgabe, die ihn aus seinem Atelier heraus und in ein Nomadenleben im VW-Bus führte.

"Um die Inschriften zu lesen, muss man sich verbeugen" beschreibt Bildhauer Demnig die Geste der Demut, die Betrachter seiner Gedenksteine häufig unwillkürlich einnehmen. Bücken muss sich auch der Künstler selbst. Das akkordartige Verlegen - manchmal in drei bis vier verschiedenen Städten pro Tag - hat Knie und Rücken des Bildhauers mittlerweile ramponiert. Demnig nimmt es ergeben an: "Einfach aufhören kommt bei so einem Projekt nicht infrage."

 

2011  Deutschlandfest in Bonn (02.11.2011)                                                            

 

Gunter Demnig stellt vor großem Publikum sein Projekt vor

 

2011 Otto-Hirsch-Medaille Stuttgart (24.01.2011)                                                   

 

Mit seinen Stolpersteinen erinnert Gunter Demnig tausendfach an die Opfer des Nationalsozialismus. Für seinen Verdienst um die christlich-jüdische Verständigung mit der undotierten Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet worden.

 

Die Otto-Hirsch-Medaille wird jährlich von der Landeshauptstadt, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart (CJZG) und der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) verliehen. Otto Hirsch war in der Weimarer Republik Ministerialrat im württembergischen Innenministerium und leitete später die Reichsvertretung der Deutschen Juden - den Verband der jüdischen Deutschen während des Dritten Reichs". 1941 wurde er im KZ Mauthausen ermordet.

 

2010 Verleihung des Rheinlandtaler-Preises (16.09.2010)                                        

 

Mit dem Rheinlandtaler werden seit 1976 Menschen geehrt, die sich in besonderer Weise um die kulturelle Entwicklung des Rheinlands verdient gemacht haben.

 

2010 Teilnahme Gunter Demnigs an der Expo 2010 in Shanghai

 

(16.bis 20.06.2010) im Deutschen Pavillon mit dem Projekt STOLPERSTEINE.  

                       

2009 Josef-Neuberger-Medaille         (23.09.2009)                                                   

 

Der Kölner "Stolpersteine"-Künstler Gunter Demnig erhält für seine besonderen Verdienste um die jüdische Gemeinschaft die Josef-Neuberger-Medaille 2009 der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Mit seinem Projekt erinnere Demnig auf außergewöhnliche und sehr eindringliche Weise an die Opfer des NS-Regimes. Der Künstler gibt den Menschen ihren Namen wieder und damit ein Stück Würde und Individualität.

 

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf verleiht die Josef-Neuberger-Medaille seit 1991 an Persönlichkeiten, die sich für die Verständigung von Juden und NichtJuden einsetzen. Die undotierte Auszeichnung ist nach dem langjährigen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde und früheren nordrhein-westfälischen Justizminister Josef Neuberger (1902-1977) benannt. Preisträger waren unter anderem die ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD) (1931-2006) und Roman Herzog (CDU) sowie im vergangenen Jahr Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).                                                                                                         

2009 Erich-Mühsam-Preis-Verleihung in Lübeck (26.04.2009)                                   

 

Verliehen an Personen welche Zivilcourage zeigen, indem sie sich für soziale   Gerechtigkeit und verfolgte Minderheiten einsetzen.

 

Erich Mühsam, 1878 bis 1934, Dichter und Anarchist. Erich Mühsam war führend beteiligt an  der anarchistischen Münchner Räterepublik, verbrachte danach mehrere Jahre in Festungshaft. Erich Mühsam kämpfte in der Weimarer Republik in der Roten Hilfe für die Freilassung politischer Gefangener. In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde Erich Mühsam verhaftet und in der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1934 von der bayerischen SS-Wachmannschaft des KZ Oranienburg ermordet.     

                                                                          

2008 Botschafter für Demokratie und Toleranz  (23.05.2008)                                    

 

Gunter Demnig wird für das Projekt STOLPERSTEINE in Berlin von Justizministerin  Brigitte Zypries und Innenminister Wolfgang Schäuble als "Botschafter für Demokratie und Toleranz" geehrt. Zum neunten Mal ehrt das von der Bundesregierung gegründete Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) Personen und Initiativen, die im besonderen Maße für gesellschaftliches Engagement und Zivilcourage stehen, als „Botschafter für Demokratie und Toleranz".

 

2007 Guter Demnig erhält den Gisbert-Levin-Preis (03.12.2007)                                      

für Toleranz und Völkerverständigung der Gesellschaft  für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Köln.

 

2006         Gunter Demnig erhält einen Teil des das Preisgeldes vom Bertini-Preis in Hamburg

 

2006 Gunter Demnig zum "Alternativen Ehrenbürger Köln" ernannt .                  (20.08.2006)

 

Das Bürgerkomitee möchte mit der Auszeichnung die Aufmerksamkeit auf Bürger und Netzwerke lenken, die sich ohne finanzielle Ressourcen und oft abseits des Mainstreams der öffentlichen Meinung in Köln engagieren.

 

2005 Das Rote Tuch Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf; Jugendmedienpreis

 

2005 German Jewish History Award der Obermayer Foundation, Berlin              ( 27.01.2005)

 

Gunter Demnig ist einer der fünf Preisträger des German Jewish History Obermayer Awards der Obermayer Foundation - eine Ehrung für deutsche Bürger, die einen Beitrag zur Bewahrung der jüdischen Geschichte und Kultur leisten.

 

Die Stiftung, die die Auszeichnungen vergibt, wurde von Arthur S. Obermayer geschaffen, einem Vorstandsmitglied der Amerikanisch-Jüdischen Gesellschaft, dessen Vorfahren aus Deutschland stammten und in der Zeit des Nationalsozialismus emigrieren mussten.     

Die Preisträger werden weltweit vorgeschlagen (besonders von Juden), die damit ihre Anerkennung und Dank für die geleistete Arbeit aussprechen wollen.

 

2005 Gunter Demnig wird am das 04.10. 2005 Bundesverdienstkreuz      vom Bundespräsidenten Horst Köhler

(CDU) verliehen.

 

2004 Max-Brauer Preis-Verleihung an Gunter Demnig in Hamburg,           

 

(19.04.2004) für Verdienste um das kulturelle, wissenschaftliche und geistige Leben Hamburgs.

 

Der Hamburger Max-Brauer-Preis an Persönlichkeiten und Einrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg verliehen. Er ermutigt Akteure, die das kulturelle, wissenschaftliche oder geistige Leben Hamburgs mit ihrem Engagement prägen.  

 

Max Julius Friedrich Brauer (1887– 1973) war 1924 sozialdemokratischer Oberbürgermeister von Altona. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten floh Brauer aus Deutschland und verbrachte die folgenden Jahre im Exil.

1946 kehrte Max Brauer nach Deutschland zurück und wurde zum ersten frei gewählten Ersten Bürgermeister Hamburgs nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Max-Brauer-Preis 2004 geht an Hamburger Bürger, die eine Patenschaft für die "Stolpersteine" übernommen haben. Die Gedenksteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus.                                       

Zudem erhält der Hamburger Kunstsammler Peter Hess die Max-Brauer-Medaille. Er hatte 2002 die Idee der "Stolpersteine" in Hamburg aufgegriffen und kümmert sich seitdem um die Verlegung der Gedenksteine, die an ermordete Juden erinnern.

Gunter Demnig hatte mit seinem Projekt "Stolpersteine" eine neue Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus gefunden. Mit Messingschildern versehene Betonsteine im Straßenpflaster kennzeichnen jene Häuser, in denen Juden, aber auch Sinti und Roma sowie Kommunisten bis zu ihrer Deportation wohnten. Mittlerweile liegen in Hamburgs Gehwegen ca. 750 Steine (2004) – 5.000 Steine (März 2016).

2004 Herbert-Wehner-Medaille der Gewerkschaft ver.di

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Stolpersteine zum Hören in SWR2 Das Projekt 

 

SWR2 ging in einem großen Hörfunkprojekt im Zeitraum 8. November 2013 bis 8. Mai 2015 im gesamten Sendegebiet einzelnen Lebensgeschichten nach, die sich zwischen Geburts- und Todesdatum auf verlegten Stolpersteinen verbergen. Durch Gespräche mit überlebenden Familienmitgliedern, Briefe und Tagebucheinträge wurden Fragmente der Biografien hörbar. Im Internet können die akustischen Stolpersteine auch nach Projekt- ende noch nachgehört werden. Dokumente, Fotos und Videos ergänzen die akustischen Stolpersteine.

 

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist"

 

Der Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine an Orten, an denen Opfer der NS-Zeit gelebt haben. Auf den 10 x 10 cm großen Gedenksteinen sind ihre Lebensdaten ein- graviert. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", zitiert der Künstler Gunter Demnig, der Erfinder der "Stolpersteine", den Talmud. Diesen Gedanken greifen die Stolpersteine zum Hören in SWR2 auf.

 

SWR2 Stolpersteine im Radio

 

Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren wurden die ein- bis dreiminütigen Stolpersteine zu unterschiedlichen Tageszeiten in SWR2 gesendet. Sie machten individuelle Lebensgeschichten von Verfolgten des NS-Regimes, die im Sendegebiet gewohnt haben, hörbar. Das Gerüst bildeten jeweils die rudimentären Lebensdaten, die auf den verlegten Stolpersteinen eingraviert sind. Durch Briefauszüge, Tagebucheinträge und Interviews mit Zeitzeugen entstanden biografische Collagen, die den Charakter von Erinnerungssplittern haben: Sie erzählen von Einzelschicksalen, werfen darüber hinaus aber auch einen Blick auf das persönliche und historische Umfeld – auf den Alltag im Südwesten vor und während des NS-Regimes, auf die Auslöschung ganzer Familien oder auf den schweren Neubeginn in einem fremden Land.

 

SWR2 Stolpersteine im Internet

 

Auf der Website von SWR2.de können die Stolpersteine auch nach Projektende jederzeit an- und nachgehört werden, aufbereitet mit weiterem Archivmaterial zu den einzelnen Schicksalen: Persönliche Dokumente, akustische Fotoalben und Videos ergänzen diese Lebensgeschichten. Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren entstand so ein großes Audio-Archiv mit Stolpersteinen aus dem gesamten SWR Sendegebiet – auch im Austausch mit den Hörern und Usern, die aufgerufen wurden, Dokumente beizusteuern und Anregungen zu geben.

 

SWR2 Stolpersteine für die mobile Nutzung

 

Eine App für mobile Endgeräte erlaubt es außerdem, vor Ort die akustischen Stolpersteine und weitere zwei Schicksale Kuppenheimer Juden in der Sendung  SWR 2 „Stolpersteine zum Hören“ Informationen abzurufen und zeigt eine Route zu weiteren Gedenksteinen an.

 

Eine Idee von Angelika Schindler, Johannes Weiß und Katrin Zipse

 

Johannes Weiß, swr2, 23.03.2015, Info/ http://www.swr.de/swr2/stolpersteine

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Stolpertsteine zum Hören – Hörsteine - Menschen

 

http://www.swr.de/swr2/stolpersteine/menschen/menschen-a-z/-/id=12117596/did=12316736/nid=12117596/9g6r0y/index.html

 

Sie kennen eine Person mit akustischem Stolperstein? Oder sind auf der Suche nach einem bestimmten Namen? Hier finden Sie alle Menschen, von denen ein Hörstolperstein erzählt, im Überblick aufgelistet.

 

Adelsberger, Frieda (Hockenheim)

Vor 1933 war Frieda Adelsberger die Tochter einer angesehenen jüdischen Familie, verheiratet mit einem "Arier". Dann zerbricht ihr Leben. Ihr Mann verlässt sie, sie und ihre Familie werden entrechtet und zahlreichen Schikanen ausgesetzt.   

 

Adler, Herta (Mainz)

Die 21-jährige Herta Adler flüchtete mit ihrer Mutter nach Amerika. Doch nur sie durfte bleiben, ihre Mutter hatte nicht die erforderlichen Einreisepapiere.   

 

Anselm, Elsa (Lahr)

Wegen ihres Glaubens verbrachte die "Ernste Bibelforscherin" 8 Jahre im KZ.  

 

Auerbacher, Inge (Kippenheim)

Die Chemikerin wuchs als Kind strenggläubiger Juden im südbadischen Kippenheim und in Jebenhausen auf. Mit sieben Jahren wurde sie in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, konnte aber mit ihrer Familie überleben. Heute lebt sie in New York.   

 

Aufrichtig, Gerhard (Waldshut)

Von seiner Mutter losgeschickt, geht er zu Fuß ohne Gepäck an die Grenze und schleicht sich heimlich in die Schweiz ein. 

 

Aufrichtig, Siegfried (Waldshut)

Er kämpfte im Ersten Weltkrieg, war Mitglied des Roten Kreuzes und der Feuerwehr - und wurde monatelang in Dachau interniert. Nur die Flucht in die Schweiz rettete ihm das Leben. 

 

Bäuerle, Hans (Stuttgart)

Infolge einer Infektionskrankheit war er geistig und körperlich zurückgeblieben. Seine Eltern wurden mit falschen Versprechungen über eine mögliche Therapie getäuscht.   

 

Berendt, Ernst (Baden-Baden)

Die Verweigerung des Hitlergruß brachte den Pfarrer ins KZ Dachau, wo er 1942 starb. 

 

Bernd, Hans (Koblenz)

Ein Kindertransport nach England rettete Hans Bernd 1939 das Leben. Seine Eltern überlebten den Holocaust nicht - sie wurden deportiert und in Auschwitz ermordet. 2004 besuchte Hans Bernd Koblenz ein letztes Mal. 

 

Bernd, Hugo (Koblenz)

Der Koblenzer HNO-Arzt Dr. Hugo Bernd wehrte sich gegen berufliche Einschränkungen. Er stellte Anträge gegen das Ausgangsverbot, damit er auch seine Patienten im Umland weiter besuchen und behandeln konnte. Damit war er den Nazis rasch ein Dorn im Auge.   

 

Bernd, Senta (Koblenz)

Senta Bernd kann ihre drei Kinder ins sichere Ausland schicken. Sie selbst wird in Auschwitz ermordet. 

 

Beurer, Ernst Friedrich (Stetten im Remstal)

Der Behinderte Ernst Friedrich Beurer wurde 1931 in die Heilanstalt Stetten eingewiesen und am 10. September 1940 in Grafeneck ermordet. 

 

Billet, René (Fellbach)

Der französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wurde wenige Tage vor Kriegsende hingerichtet. 

 

Birnbräuer, Franz (Baden-Baden)

Der dreifache Familienvater leidet an einer seltenen Form von Alzheimer. 1945 wird er in der hessischen Tötungsanstalt Hadamar umgebracht. 

Bloch, Michael (Villingen)

Die "Reichsfluchtsteuer" ruinierte ihn, trotzdem emigrierte der jüdische Kaufmann Michael Bloch in die Schweiz. Er verlor nicht sein Leben, aber seine gesamte Habe.  

 

Blum, Kurt (Böhl-Iggelheim)

Er verkauft seine Waschmaschine, und hat damit das Startkapital für Bauland in der neuen Heimat Palästina.  

 

Bosch, Benno (Konstanz)

Benno Bosch wird mit vier Jahren ermordet. Im Rahmen der so genannten "T-4 Aktion" der Nationalsozialisten.   

 

Brasch, Ernst (Koblenz)

Nach Berufsverbot, zwei Monaten KZ-Aufenthalt und der Flucht der Familie ins Ausland nahm er sich das Leben.  

 

Bravmann, Beate (Konstanz)

Ihr Vater, Religionslehrer und Kantor, zögert die Auswanderung hinaus, weil er seine Gemeinde nicht im Stich lassen will.   

 

Brunner, Joachim (Weingarten)

Joachim Brunner war Hausierer und Nazigegner. Er wurde wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet und im KZ Mauthausen ermordet.   

 

Bückle, Andreas (Münsingen-Trailfingen)

Ermordet als "lebensunwertes Leben" – Der Lehrer Andreas Bückle war im ersten Weltkrieg schwer traumatisiert worden.

 

Bäuerle, Hans (Stuttgart)

Infolge einer Infektionskrankheit war er geistig und körperlich zurückgeblieben. Seine Eltern wurden mit falschen Versprechungen über eine mögliche Therapie getäuscht. | mehr

 

Berendt, Ernst (Baden-Baden)

Die Verweigerung des Hitlergruß brachte den Pfarrer ins KZ Dachau, wo er 1942 starb.   

 

Bernd, Hans (Koblenz)

Ein Kindertransport nach England rettete Hans Bernd 1939 das Leben. Seine Eltern überlebten den Holocaust nicht - sie wurden deportiert und in Auschwitz ermordet. 2004 besuchte Hans Bernd Koblenz ein letztes Mal.   

 

Bernd, Hugo (Koblenz)

Der Koblenzer HNO-Arzt Dr. Hugo Bernd wehrte sich gegen berufliche Einschränkungen. Er stellte Anträge gegen das Ausgangsverbot, damit er auch seine Patienten im Umland weiter besuchen und behandeln konnte. Damit war er den Nazis rasch ein Dorn im Auge.   

 

Bernd, Senta (Koblenz)

Senta Bernd kann ihre drei Kinder ins sichere Ausland schicken. Sie selbst wird in Auschwitz ermordet.   

 

Beurer, Ernst Friedrich (Stetten im Remstal)

Der Behinderte Ernst Friedrich Beurer wurde 1931 in die Heilanstalt Stetten eingewiesen und am 10. September 1940 in Grafeneck ermordet.   

 

Billet, René (Fellbach)

Der französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wurde wenige Tage vor Kriegsende hingerichtet.   

 

Birnbräuer, Franz (Baden-Baden)

Der dreifache Familienvater leidet an einer seltenen Form von Alzheimer. 1945 wird er in der hessischen Tötungsanstalt Hadamar umgebracht. 

 

Bloch, Michael (Villingen)

Die "Reichsfluchtsteuer" ruinierte ihn, trotzdem emigrierte der jüdische Kaufmann Michael Bloch in die Schweiz. Er verlor nicht sein Leben, aber seine gesamte Habe.   

 

Blum, Kurt (Böhl-Iggelheim)

Er verkauft seine Waschmaschine, und hat damit das Startkapital für Bauland in der neuen Heimat Palästina.   

 

Bosch, Benno (Konstanz)

Benno Bosch wird mit vier Jahren ermordet. Im Rahmen der so genannten "T-4 Aktion" der Nationalsozialisten.   

 

Brasch, Ernst (Koblenz)

Nach Berufsverbot, zwei Monaten KZ-Aufenthalt und der Flucht der Familie ins Ausland nahm er sich das Leben.   

 

Bravmann, Beate (Konstanz)

Ihr Vater, Religionslehrer und Kantor, zögert die Auswanderung hinaus, weil er seine Gemeinde nicht im Stich lassen will.   

 

Brunner, Joachim (Weingarten)

Joachim Brunner war Hausierer und Nazigegner. Er wurde wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet und im KZ Mauthausen ermordet.   

 

Bückle, Andreas (Münsingen-Trailfingen)

Ermordet als "lebensunwertes Leben" – Der Lehrer Andreas Bückle war im ersten Weltkrieg schwer traumatisiert worden.

 

Cohn, Esther (Offenburg)

Schulalltag nach dem Novemberpogrom 1938: das bedeutete für viele jüdische Kinder lange Fahrten zur nächsten jüdischen Schule, für behinderte Kinder wie Esther Cohn eine besonders schwierige Situation.   

 

Cohn, Sylvia (Offenburg)

22.10.1940: 6.500 Juden in Baden und der Saarpfalz werden gezwungen, innerhalb einer Stunde ihre Heimat zu verlassen. Die Dichterin Sylvia Cohn ist eine von ihnen. Nicht nur die Ungewissheit, wohin sie gebracht wird, ist erdrückend. Noch größer ist die Sorge um ihre drei Kinder.   

 

Couasnard, Marcel (Fellbach)

Die Befreiung vor Augen – Die Ermordung des französischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiters Marcel Couasnard.

 

Dötsch, Johann (Koblenz)

Ein Sozialdemokrat, der sich trotz Schutzhaft, Konzentrationslager und Todesmarsch nicht mundtot machen ließ. Johann Dötsch gründete nach dem Krieg die SPD in Koblenz neu und erlebte noch die ersten freien Wahlen.   

 

Drexler, Margarethe (Landau)

Nach dem frühen Tod ihres Mannes sorgte sie allein für ihre einzige Tochter, die sie zu einer Tante in der Schweiz gab. Unzählige Briefe aus dem Lager Gurs sind erhalten geblieben.   

 

Druckenmüller, Maria (Wertheim)

Viele Opfer des Nationalsozialismus wurden mitsamt ihren Bildern ausgelöscht. Von manchen Menschen wurde allerdings nie ein Bild gemacht, so wie von Maria Druckenmüller.   

 

Durlacher, Erna (Baden-Baden)

Die gutbürgerliche Ehefrau wurde zur Geisel ihrer nichtjüdischen Hausangestellten 

Durlacher, Gerhard (Baden-Baden)

Was bedeutet eine vom Nationalsozialismus überschattete Kindheit? Kann man ein neues Leben nach einer Jugend im KZ beginnen? Erinnerungen des Auschwitz-Überlebenden Gerhard Durlacher.   

 

Durlacher, Hans (Kippenheim)

Ein Schulheft und ein Gebetbuch sind die einzigen Gegenstände, die an den Schüler erinnern, der in Ausschwitz ermordet wurde. 

 

Einstein, Lina (Ulm)

Sie arbeitete für ihren Unterhalt, ging sonntags zum Essen zu Freunden, spielte Theater. Und sie war die Cousine von Albert Einstein.   

 

Elser, Georg (Hermaringen)

Er hätte die Welt verändern, und viel Leid ersparen können - hätte sein Attentat auf den "Führer" Erfolg gehabt.   

 

Emter, Elisabeth (Freiburg)

Wer in der Zeit des Nationalsozialismus abweichenden Überzeugungen anhing, musste sich in Acht nehmen. Das galt nicht nur für Personen mit verfemten politischen Einstellungen. So waren auch die sogenannten Bibelforscher, die Zeugen Jehovas, besonders gefährdet. 

 

Emter, Karl-Hermann (Freiburg)

Zu den Verfolgten des NS-Regimes gehörten auch die Zeugen Jehovas wie der Gipsermeister Karl-Hermann Emter.  

 

Enchelmayer, Friedrich (Stuttgart)

Friedrich Enchelmayer war homosexuell und erlebte eine tödliche Odyssee durch verschiedenste Haftanstalten und Konzentrationslager. Er wurde im KZ Neuengamme ermordet. Nahezu alle Spuren seines Lebens sind ausgelöscht.   

Erlanger, Ludwig (Ravensburg)

Dr. Ludwig Erlanger war Agrarwissenschaftler und betrieb von 1924 an in Ravensburg einen landwirtschaftlichen Musterhof. Weil Ludwig Erlanger Jude war, wurde er 1938 gezwungen, seinen Hof zu verkaufen. Er wanderte mit seiner Familie nach Palästina aus.   

 

Erlanger, Peter "Pinchas" (Ravensburg)

Peter Erlanger war 12 Jahre alt, als er mit seiner jüdischen Familie nach Palästina auswandern musste. 30 Jahre später setzte er sich für die israelisch-deutsche Freundschaft ein. 

 

Flesch, Carl (Baden-Baden)

Der Violinpädagoge holte Musiker aus der ganzen Welt für seine Konzerte nach Baden-Baden. 1935 musste er vor der Verfolgung der Nazis aus Deutschland fliehen. 

 

Flor, Alfred (Heidelberg)

Nach monatelanger Flucht erreichte er 1940 den Hafen von Haifa, saß aber auf der "Patria" fest, weil die Engländer keine Einwanderer mehr an Land ließen.   

 

Forbes, Margot geb. Gollowitsch (Leutkirch)

Margot tritt in die Stapfen ihres Vaters und Onkels, Friedrich und Heinrich Gollowitsch. In Oxford betreibt sie ein erfolgreiches Bekleidungsgeschäft und eröffnet fünf Filialen.   

 

Frank, Carl Theodor (Mainz)

Der 81-jährige Carl Theodor Frank fühlte sich als wohlhabender, angesehener Bürger von Mainz vor den Nazis sicher.   

 

Freund, Michael (Schriesheim)

"Staatsfeindliche Äußerungen" wurden Michael Freund zum Verhängnis. Der Sohn einer sogenannten "Mischehe" wurde von der Gestapo im Jahr 1944 verhört. Michael Freund hielt dem Druck nicht stand. Er nahm sich im Alter von 15 Jahren das Leben.   

 

Friedmann, Sigmunde (Stuttgart)

Wegen ihres Alters scheute sie die Emigration – sie starb in Theresienstadt. 

 

Gassmann, Friedrich (Stuttgart)

Am Tag nach der Reichstagswahl kommt der Schlosser nicht nach Hause. Wenige Wochen später wird er für tot erklärt.   

 

Gernsheim, Fritz (Worms)

Der angesehene Kinderarzt wurde so sehr drangsaliert, dass er und seine Frau sich das Leben nahmen.   

 

Gewürz, Dvora (Karlsruhe)

Ihre Tochter schickte sie rechtzeitig ins rettende Ausland, sie selbst wurde 1939 nach Polen deportiert.   

 

Gewürz, Markus Ichel (Karlsruhe)

"Ich hatte das Gefühl, dass sie jetzt richtig mit einer Zeremonie beerdigt wurden." – Das sagte die Enkelin Mirjam Elmaz bei der Verlegung der Stolpersteine für ihre Großeltern Markus und Dvora Gewürz.  

 

Gideon, Sigmund (Horb-Rexingen)

Warum will man die Heimat nicht verlassen, auch wenn der Terror täglich schlimmer wird? Was hält einen gläubigen Juden an dem Ort, an dem die Synagoge brennt und die eigenen Kinder nach Palästina ausreisen? Fragen, die den Enkel Menachem Gideon noch heute beschäftigen.   

 

Goldfisch, Eugen (Bad Ems)

1914 zog Eugen Goldfisch für sein Vaterland in den Krieg und wurde schwer verletzt. Doch vier Jahre treuer Militärdienst nutzten ihm nichts. Sein Leben endete in einem Todeslager der Nationalsozialisten.   

 

Goldfisch, Lina (Bad Ems)

Als Betreiber eines koscheren Hotels für jüdische Gäste waren Lina Goldfisch und ihr Mann den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen besonders stark ausgesetzt. Das Hotel gaben sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten auf.   

 

Goldschmidt, Leontine (Heidelberg)

Leontine Goldschmidt war gebildet und weltoffen. Als Sammlerin und Stiftungsgründerin setzte sie sich für das Gemeinwohl ein, was die Nationalsozialisten jedoch nicht davon abhielt, sie zu verfolgen.   

 

Gollowitsch, Friedrich (Leutkirch i. Allgäu)

Die Angestellten protestierten und warben bei der Kundschaft für das Kaufhaus Anker. Umsonst: Anfang 1939 wurden die Gollowitschs zwangsenteignet und das Kaufhaus arisiert.    

 

Götzel, Josef (Baden-Baden)

Josef Götzel musste gleich zwei mal fliehen: 1905 vor den Pogromen in Russland und 1933 aus Deutschland. In seinem Gepäck hatte der strenggläubige Jude immer ein Heiligtum: seine Thora 

 

Gross, Bertha (Bingen)

Die Eltern verschwiegen der jüngeren Schwester Ilse lange, dass Bertha behindert war und in einem Heim lebte. Alles Negative wollten sie von ihrer Tochter fern halten.   

 

Gross, Ella (Bingen)

Ella Gross traute sich 1939 nicht, ein neues Leben als Haushaltshilfe in England zu beginnen. Das konnte sich die gebildete Frau aus gutem Haus mit Ende 50 nicht mehr vorstellen.   

 

Gross, Karl (Bingen)

Der Weinhändler blieb in seiner Heimatstadt aus Sorge um seine behinderte Tochter.   

 

Großhans, Helmut (Althengstett)

Als 13-Jähriger wurde er für die Aktion T4 selektiert und nach Grafeneck transportiert. Dort wurde er am 24. September 1940 vergast.   

 

Grötzinger, Fanny (Freiburg)

Renate Lais ist 14 Jahre alt, als ihre jüdische Großmutter Fanny Grötzinger am 22.10.1940 nach Gurs deportiert wird. Die Angst, wen es als nächsten in der Familie trifft, bleibt.   

 

Günner, Carl Hermann (Offenburg)

Als die alliierten Truppen näher rücken, wird das KZ Natzweiler aufgelöst. Carl Herrmann Günner kommt nach Dachau und stirbt dort drei Monate vor Kriegsende. 

 

Haberer, Berthold (Villingen)

Weil er Jude war, wurde der Finanzbeamte entlassen. In Gurs starb er an Hunger und Kälte, seine leiblichen und adoptierten Kinder überlebten.   

 

Hammer, Elsa (Friedrichshafen)

Dazu die Zigarre zwischen den Lippen. Damit dokumentiert die Jüdin Elsa Hammer das neue Selbstbewusstsein von Frauen ihrer Generation.   

 

Händler, Mayer Nathan (Ludwigshafen)

Wie Mayer Nathan Händler suchten viele deutsche Juden vor den Nazis Zuflucht in Palästina. Als frühe Siedler erlebte er 1948 die Gründung des Staates Israel; er bekam einen neuen Pass, einen neuen Namen und ein neues Leben. Sein Sohn Amnon Avidor spricht über die verlorene Kindheit seines Vaters und über den Neuanfang.   

 

Händler, Selma (Ludwigshafen)

Die junge Musikerin wurde durch Deportation und Flucht in den Tod getrieben.   

 

Haßler, Emilie (Leutkirch)

Der Vater glaubt den Behörden nicht, dass seine Tochter Emilie eines natürlichen Todes gestorben ist. Und holt seine anderen Kinder Fritz und Helene aus der Taubstummenanstalt nach Hause.   

 

Hauser, Hans (Baden-Baden)

Nur auf Drängen der Eltern nach dem Novemberpogrom ging er schließlich: "Ich war nicht glücklich: was sollte ich als Deutscher in Amerika?"   

Hecht, Ludwig (Ulm)

Er kümmerte sich auch um mittellose Patienten, bis die Nazis für seinen beruflichen Niedergang sorgten.   

 

Heimann, Ingeborg (Montabaur)

Als in der Reichspogromnacht SA-Schergen auch an der Haustür der Heimanns klingelten, schnitt der Vater seiner Tochter und sich selbst die Pulsadern auf. 

 

Heimberger, Adolf (Karlsruhe)

Adolf Heimberger stammte aus dem Bauland und leitete währen des Ersten Weltkriegs ein jüdisches Krankenhaus. Er war außerdem Kastellan in der Karlsruher Synagoge. Jahrzehnte nach seinem Tod findet sein Enkel Paul Niedermann im französischen Noé einen Grabstein mit seinem Namen.   

 

Held, Max (Wertheim)

Boykott und Ächtung entzog Max Held, angesehener Besitzer eines Kaufhauses, die Lebensgrundlage. Er verlor seine soziale Anerkennung und seinen Besitz, der ihm die Ausreise ermöglicht hätte.   

 

Helfer, Max (Stuttgart)

"Kauft nicht bei Juden", als jüdischer Kaufmann war Max Helfer den Repressionen durch die Nationalsozialisten besonders stark ausgesetzt. Sein Vermieter wurde unter Druck gesetzt und kündigte ihm den Mietvertrag für sein Kaufhaus. | mehr

 

Helmstädter, Julius (Karlsruhe)

Ein aufrechter Sozialdemokrat hatte unter dem NS-Regime keine Zukunft. Der SPD-Abgeordnete des Badischen Landtags in Karlsruhe erhielt Arbeitsverbot und kam 1945 in Dachau ums Leben 

 

Hene, Sigmund (Eichstetten)

An der Grünen Grenze wird er gefangen genommen und kommt ins KZ Dachau.   

 

Hene, Sonja (Eichstetten)

Am Tag der Einschulung steht das bubenhafte Mädchen mit weißem T-Shirt und kurzen dunklen Haaren in der dritten Reihe und schaut forsch in die Kamera.   

 

Herr, Ludwig (Kornwestheim)

Was bedeutet es als Kommunist und Gemeinderat von den Nazis verfolgt zu werden? Wie sah Ludwig Herr seinen 12-jährigen Aufenthalt in verschiedenen KZs?   

 

Herrmann, Jakob (Trier)

Jakob Herrmann war als jüdischer Geschäftsmann dem Boykott der Nationalsozialisten ausgesetzt. Der Umzug ins grenznahe Luxemburg versprach nur für kurze Zeit Sicherheit.   

 

Herzog, Siegmund (Worms)

Dem Geschäftsinhaber wurde systematisch die Lebensgrundlage geraubt. Nur seine Tochter überlebte.   

 

Hoevel, Anneliese (Koblenz)

Anneliese Hoevel hätte ein angenehmes Leben an der Seite ihres Mannes haben können. Aber sie wollte bessere Arbeitsbedingungen für alle, wurde Mitglied der KPD und leistete Widerstand.   

 

Homburger, Emil (Freiburg)

Der Rechtsanwalt verlor seine Zulassung, konnte jedoch - geschützt durch die Ehe mit seiner katholischen Frau - anderen bei der Flucht helfen

 

Jank, Lilly (Karlsruhe)

Die jüdische Operettendarstellerin Lilly Jank wurde von allen beruflichen Möglichkeiten ausgeschlossen. Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus erlebte sie zunächst ein Berufsverbot, dann Deportation.   

 

Jooss, August (Heidenheim)

Die Witwe erhält die Sterbeurkunde nur gegen Freiumschlag und Briefmarken von 60 Pfennig.

 

Kahn, Else (Stuttgart)

Als Frau eines Kantors zog Else Kahn mit ihrem Mann von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle. Sie trennte sich von ihrem einzigen Kind, um es zu retten.   

 

Kahn, Karl (Baden-Baden)

Als ihm seine Mitschüler mit Steinen bewarfen stand für ihn eines fest: Nichts wie weg aus Baden-Baden. Seitdem wurde der Koffer zum ständigen Begleiter in seinem Leben 

Kahn, Leopold (Schwäbisch-Gmünd)

Vom einst erfolgreichen Spielwarenhersteller bleibt nur ein Stolperstein und der ein oder andere als Rarität gehandelte Teddybär.   

 

Kahn, Ludwig (Kuppenheim)

Aus Heimweh nutzt er den Briefwechsel mit der Kuppenheimer Sparkasse, um sich nach persönlichen Schicksalen zu erkundigen.   

 

Kaufmann, Fritz (Ludwigshafen)

Zur Behandlung von Kriegsneurosen geht er neue Wege. In der Fachwelt wird seine Therapieform als "Kaufmann-Methode" berühmt.   

 

Kern, Edith (Böchingen)

Ihre Eltern wollten sich von der einzigen Tochter nicht trennen und konnten sich nicht dazu durchringen, sie auf einen Kindertransport zu schicken. Die ganze Familie wurde nach Riga deportiert.   

 

Kern, Salomea (Böchingen)

Die Menschen in Böchingen nannten sie immer nur "Selma". Ein später geschichtsträchtiger Ort in den USA gleichen Namens sollte für sie zur neuen Heimat werden.   

 

Ketterer, Johanna (Baden-Baden)

Nicht belügen lassen wollte sich die Mutter über die Todesumstände ihrer geistig behinderten Tochter Johanna. 

Klauser, Franz (Überlingen)

Franz Klauser gerät wegen seiner Homosexualität ins Visier der Nationalsozialisten. Diese hatten 1935 den seit 1872 geltenden §175 verschärft.   

 

Klausmann, Karl-Heinz (Schriesheim)

Bis zu seinem 16. Lebensjahr wohnte Karl-Heinz-Klausmann bei Adoptiv-Eltern. Dann begann seine Flucht, 1942 schloss er sich in Frankreich der Resistance an.   

 

Kleissle, Wilhelm (Konstanz)

Er schmuggelte religiöse Drucksachen der Zeugen Jehovas aus der Schweiz nach Deutschland. Seine Frau und auch seine älteste Tochter halfen ihm dabei mit einem Kinderwagen als Versteck.   

 

Köhler, Auguste (Baden-Baden)

Auguste Köhler und ihr Mann waren in ihrem gut gehenden Hotelbetrieb so eingespannt, dass sie den Ernst der Lage nicht erkannten – auch im Sommer 1937 nicht, als sie ihre inzwischen nach Palästina emigrierte Tochter Ruth besuchten.   

 

Korn, Adolf (Worms)

Wie viele deutsche Juden vertraute der Bäcker viel zu lange dem deutschen Rechtssystem und dem deutschen Staat. | mehr

 

Kurz, Otto, Sonja, Thomas und Albert (Stuttgart)

Am 9.5.1944 wurden zahlreiche Kinder aus Sinti und Roma - Familien aus württembergischen Heimen nach Auschwitz deportiert. Unter ihnen waren auch die Geschwister Kurz. 

 

Leins, Maria (Horb am Neckar)

Die alleinerziehende Mutter wurde wegen "Rassenschande" verhaftet, als ihr Sohn drei Jahre alt war. Der Vater ihres Kindes war im Krieg gefallen. Als sie Anfang 20 war wurde sie beim Küssen eines polnischen Zwangsarbeiters beobachtet, denunziert und ins KZ Ravensbrück verschleppt.   

 

Levi, Särle (Münsingen)

"So eine alte Frau holen sie doch nicht", hatte die jüdische Arztwitwe gesagt und war ihrem Sohn nicht ins Exil nach Amerika gefolgt.   

 

Levi, Sofie (Freiburg)

Sofie Levi musste mit ansehen, wie ihr Ehemann in Theresienstadt verhungerte. Sie überlebte.   

 

Levi-Mager, Julius (Badenweiler)

Die Verfolgung zwang zum ständigen Abschied nehmen. Doch auch der Verkauf ihres Hotels und ein Neubeginn in Frankreich bot der Familie Levi-Mager letztendlich keine Sicherheit. Nur zwei Töchter konnten sich schließlich retten dank der geistesgegenwärtigen Reaktion der Mutter.   

 

Levinger, Barbara (Überlingen)

Als Barbara Lee ist sie anerkannte Künstlerin - bis ihr die Gesellschaft ihre Gunst entzieht. Aus Angst vor der Deportation vergiftet sie sich, stirbt aber erst zwei Tage später. 

 

Levinger, Hermann (Überlingen)

Der Jurist setzte sich für den Erhalt historischer Bauten ein und regte 1921 das Pfahlbautenmuseum in Unteruhldingen an. Der drohenden Deportation kam er 1944 mit seinem Selbstmord zuvor.   

 

Levy, Alfred (Klingenmünster)

Alfred und Gustav Levy waren 1940 noch die letzten jüdischen Bürger des südpfälzischen Winzerdorfes Klingenmünster. Alfred Levy war fahrender Händler und zog mit seinem Pferdefuhrwerk durch die Region. Sein 10 Jahre älterer Bruder Gustav war Weinhändler in Landau.   

 

Link, Oswald (Stetten Remstal)

Oswald Link war Gewerkschafter, Mitglied einer besonderen religiösen Gemeinschaft und litt an einer Erkrankung, die ihn in den Augen der Nazis zum "Asozialen und Arbeitsscheuen" machte.   

 

Loewy, Therese (Freiburg)

Wie rund 350 andere Freiburger Juden sollte sich auch Therese Loewy fertig machen für den Abtransport am 22. Oktober 1940. Doch die Professorenwitwe verweigerte sich der Verschleppung, indem sie sich das Leben nahm. Den Nachlass der vermögenden Frau sicherte sich die Gestapo.   

 

Löwenstein, Max (Tübingen)

Als es darum ging, den Viehhändler vom Markt zu prügeln, scheinen die am eifrigsten gewesen zu sein, die einen laufenden Kredit bei Max Löwenstein hatten.   

 

Luckner, Gertrud (Freiburg)

Sie verhalf vielen, die von der Deportation bedroht waren, zur Flucht.

 

Mannheimer, Herbert (Mainz)

Herbert Mannheimer war Rechtsanwalt. Gemeinsam mit seinem Vater betrieb er in der Lotharstraße eine Kanzlei. Weil er seit 1927 massiv gegen die NSDAP vorgegangen war, wurde er, zumal er Jude war, schnell zum Feind für die Nazis.   

 

Mansbacher, Herta (Worms)

In der Pogromnacht stellte sich die Wormser Lehrerin Herta Mansbacher den Horden in den Weg und rettete wertvolle Kunstschätze aus der brennenden Synagoge. 1942 wurde sie ermordet.   

 

Markus, Emil (Stuttgart)

Zunächst blieben Juden, die in einer so genannten „Mischehe“ lebten im nationalsozialistischen Deutschland verschont. Doch nach und nach wurde auch ihr Alltag immer mehr eingeschränkt.   

 

Maurer, Berta (Konstanz)

Die Zeugin Jehovas war der führende Kopf der Konstanzer Gruppe. Sie überlebte Gefängnis und verschiedene Konzentrationslager.   

 

Mayer, Helina (Mainz)

Die 25jährige konnte in die USA entkommen, aber ihre Schwester und Mutter wurden in Treblinka ermordet. Ein Leben lang litt sie darunter.   

 

Mayer, Siegfried (Böchingen)

Er wird mit 14 nach Großbritannien verschickt - und versöhnt sich als "Sidney" mit der alten Heimat.   

 

Meier, Stefan (Freiburg)

Mitglieder der verschiedensten Parteien wurden von den Nationalsozialisten verfolgt. Kommunisten und Sozialisten standen dabei besonders im Blickpunkt der Machthaber. Ihnen drohte Verhaftung, Gefängnisstrafen und die Vernichtungslager der Nazis.   

 

Meissner, Anna Luise (Konstanz)

Für ihren Glauben ging sie ins Gefängnis und verlor das Sorgerecht für ihre Kinder. Sie wurde im KZ ermordet wurde.   

 

Metzger, Rudolf (Landau)

Rudolf Metzger durfte von 1933 an seinen Beruf als Amtsanwalt mehr ausüben. Er galt als Beamter "nicht-arischer" Herkunft und wurde vom Dienst suspendiert.   

 

Michaelis, Anna (Baden-Baden)

Bei allen Jubiläen und Gedenktagen im aufstrebenden Kurort Baden-Baden kam sie zu Wort - erhielt sie den Auftrag für ein Festspiel, Theaterstück oder Gedicht.   

 

Michel, Lilli (Ludwigshafen)

Lilli Michel war bei der Machtübernahme der Nazis gerade mal sechs Jahre alt. Mit 14 Jahren wurde Lilli mit ihren Eltern nach Polen deportiert und ermordet.   

 

Michel, Otto Josef und Frieda (Mannheim)

Seinem Sohn rettet der Zigarrenfabrikant das Leben – mit Unterricht in Kalligrafie. 

 

Michel, Ursula (Ludwigshafen

Ursula Michel ist eines unter den Tausenden von jüdischen Kindern, die vor den Nazis mit den so genannten Kindertransporten nach England flüchteten.   

 

Moldrzyk, Ludwig (Mannheim)

In der Arbeiterstadt Mannheim formierte sich schon früh der antifaschistische Widerstand. Eine der Widerstandsgruppen war die Lechleitergruppe, der Ludwig Moldrzyk angehörte. Die Mitglieder fertigten Schriften an, die sie heimlich verteilten. Das wurde vielen zum Verhängnis. 

 

Moses, Julius (Müllheim)

Obwohl hochdekorierter Teilnehmer des Ersten Weltkriegs, starb Julius Moses 1943 im Todeslager Lublin-Majdanek. 

 

Müller, Georg (Kornwestheim)

Was bleibt an Erinnerung von einem depressiven Menschen, der von den Nazis ermordet wurde?   

 

Müller, Karl (Freiburg)

Wegen seiner Homosexualität bereits einmal verurteilt, stellt er in Untersuchungshaft einen Antrag auf "freiwillige Entmannung". Bevor es dazu kommt, wählt Karl Müller den Freitod.

 

Naab, Ingbert (Dahn)

Wenn der eigene Glaube kein "Wegsehen" zulässt: Der Kapuzinerpater Ingbert Naab warnte schon früh vor den Nazis und ihrer menschenverachtenden Ideologie.   

 

Nachmann, Robert (Baden-Baden)

Bei Robert Nachmann kam der Alltag in Deutschland zu einem abrupten Ende. Als ihm im Januar 1936 ein angebliches Devisenvergehen zum Vorwurf gemacht wurde, flüchtete er Hals über Kopf über Frankreich in die Schweiz. Schließlich wurde Haifa zur neuen, zunächst ungeliebten Heimat.   

Nachmann, Rudolf (Baden-Baden)

Von den USA aus versuchte er vergeblich das Leben seiner Familie zu retten.   

 

Neubauer, Richard (Ludwigshafen)

Der Verleger mehrerer Wirtschafts- und Kulturzeitungen und Inhaber eine Druckerei wurde von den Nazis massiv unter Druck gesetzt.   

 

Niedermann, Albert (Karlsruhe)

Albert Niedermann kämpfte im Ersten Weltkrieg und verlor dabei ein Auge. Dadurch konnte der gelernte Schneider seinen Beruf nicht mehr ausüben. Er trug ein Glasauge, das ihm 20 Jahre später im Lager Gurs zerbrach.   

 

Niedermann, Friederike (Karlsruhe)

Als gelernte Krankenschwester konnte Friederike Niedermann ihrem Sohn im Lager von Rivesaltes das Leben retten. Ihr Sohn Paul Niedermann erinnert sich an seine Mutter, die bis zuletzt versuchte für ihre Familie zu sorgen.

 

Oppenheimer, Margit (Esslingen)

Für den Mann, den sie liebt, meldet sie sich freiwillig zur Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz.

 

Reiner, Johann (Koblenz)

Der jüdische Arzt aus Koblenz geriet immer wieder ins Visier der Gestapo, kurz vor Kriegsende wurde er erschossen.   

 

Reinhardt, Georg (Konstanz)

Georg Reinhardt war in der Sprache des Dritten Reiches "Zigeuner". Die Ehe mit einer deutschen Frau rettete ihn vor dem Konzentrationslager, aber nicht vor der Zwangssterilisation.   

 

Reinhardt, Maria (Stuttgart)

Ab 17. Oktober 1939 durften Sinti und Roma ihren Wohnort ohne Genehmigung nicht mehr verlassen. Ein Verbot, das fatale Folgen für Maria Reinhardt hatte: sie hatte ihren Verlobten besuchen wollen....   

 

Reis, Anna (Kaiserslautern)

Nachdem sie sexuellen Umgang mit einer Urlaubsbekanntschaft hat, wird sie verhaltensauffällig. Und damit interessant für die Psychiater des NS-Regimes. 

 

Reiter, Jakob (Mannheim)

Jakob Reiter war einfacher Brezelverkäufer. Nach einem Streit mit einem NSDAP Mitglied um den Gedenktag der Nationalsozialisten wurde Jakob Reiter denunziert. Er landete schließlich im Gefängnis und wurde wegen Hochverrats hingerichtet.   

 

Reize, Otto (Karlsruhe)

Als Mitglied der SPD stand man auf der "schwarzen Liste" der Nationalsozialisten. Die Nazis sorgten dafür, dass ihm die Lebensgrundlage entzogen wurde.   

 

Rieg, Anna Maria (Stuttgart)

"In vielen Pflegeanstalten des Reichs sind viele unheilbare Kranke jeder Art... . Vor diesen Menschen müssen die übrigen Menschen geschützt werden... ." (Viktor Brack, Organisator der NS-Euthanasie, "Aktion T4")
Anna Maria Rieg war psychisch krank und fiel dem NS-Terror zum Opfer. 

 

Rosen, Suse (Stuttgart)

Sie tanzte sich in die Herzen des Publikums. Sie hatte großes Talent. Sie war Jüdin. Die Balletttänzerin Suse Rosen wurde 1933 von den Nazis mit Berufsverbot belegt, verjagt und gebrochen. Sie emigrierte, überlebte in armen Verhältnissen und starb mit 58 Jahren in der Schweiz.   

 

Rosenberg, Fredy (Kehl)

Mit 14 Jahren ging Fredy Rosenberg allein ins französische Straßburg. Seinen Geburtsnamen Fritz hatte er abgelegt. 1940 gelang es Fredy mit einigen Schwierigkeiten, sich nach Genua durchzuschlagen. Dort traf er seine Eltern und konnte mit ihnen nach Buenos Aires fliehen.   

 

Rosenberg, Simon Otto (Kehl)

Ein Kinobetreiber und UFA-Vertriebsleiter hat den Holocaust zwar überlebt, sein altes Leben aber doch verloren. Die Nazis nahmen dem Filmschaffenden Otto Rosenberg sein gesamtes Hab und Gut und seinen Arbeitsplatz.   

 

Rosenthal, Claus (Kehl)

Claus Rosenthal hat den Holocaust überlebt. Die schmerzvolle Erinnerung an Auschwitz will er bewahren.   

 

Rosenthal, Theodor (Baden-Baden)

Seinem Beruf, den er sich nicht freiwillig ausgesucht hatte, und einer gehörigen Portion Glück verdankte er sein Überleben im besetzten Frankreich. | audio |

 

Ruf, Max (Freiburg)

Der Zahnarzt floh nach Frankreich und meldete sich in der Fremdenlegion 

 

Sack, Heinz und Robert (Baden-Baden)

Robert Sack erhielt im Sommer 1942 einen mysteriösen Brief. An der Handschrift erkannte er, dass der Absender sein Bruder Heinz sein musste, der sich zur französischen Fremdenlegion gemeldet hatte. Offensichtlich war er in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten – eine äußerst gefährliche Situation für einen deutschen Juden.   

Sack, Sophie (Baden-Baden)

Sophie Sack lebte seit 1922 mit ihrem Mann, dem Dermatologen Waldemar Sack, in Baden-Baden. Das Ehepaar ging 1938 nach Paris. In Frankreich flüchteten Waldemar und Sophie Sack mehrfach vor Razzien und versteckten sich vor ihren Verfolgern. 

 

Salomon, Anny (Mainz)

Mit ihrem Mann führte sie in Mainz das traditionsreiche Schuhhaus Manes. Von den Nazis beraubt, fehlte ihr das Geld zur Flucht.   

 

Scheurer, Karl-Heinz (Wittlich)

Karl-Heinz Scheurer gerät nach familiären Schwierigkeiten früh in die Fürsorge-Institutionen des Nationalsozialismus. Er wird entmündigt, als schwachsinnig stigmatisiert, zwangssterilisiert und später im Gefängnis Wittlich inhaftiert.   

Schlorch, Ludwig (Kuppenheim)

Der Jüngste der fünfköpfigen Familie Schlorch überlebte dank des beherzten Eingreifens eines Rot-Kreuz-Manns.   

 

Schloss, Gertrud (Trier)

Satirische Spottgedichte zu verfassen und politische Artikel in einer Zeitschrift zu veröffentlichen waren Gertrud Schloss' Weg um gegen die Nationalsozialisten vorzugehen. Dafür gab sie sogar ihre Identität auf.   

 

Schwalb, Jakob (Dahn)

Der Geistliche predigte gegen Hitler. Von den Misshandlungen im Gefängnis 1933 sollte er sich nie wieder erholen.   

Schwarzhaupt, Hella (Konstanz)

Die Sorge um das Wohl der Kinder trieb viele Mütter in eine seelische Notlage. Hella Schwarzhaupt war Mutter von vier Kindern. Um sie vor den Nationalsozialisten zu schützen, schickte sie ihre Kinder allein ins sichere Ausland.   

 

Schwarzhaupt, Rose (Konstanz)

Ihre Eltern setzen sich dafür ein, dass sie mit einem Hilfstransport 1935 in die USA kam. Trotzdem blieb ein Leben lang das Gefühl, nicht von den Eltern gerettet, sondern "fortgeschickt" worden zu sein.   

 

Schwarzhaupt, Ruth (Konstanz)

Ruth Schwarzhaupt hat in der Schweiz überlebt. Ihre Eltern wurden von den Nationalsozialisten umgebracht. Das hat sie ihr Leben lang nicht losgelassen.   

 

Schwarzschild, Richard (Kaiserslautern)

Seiner Tochter Margot bleibt die Erinnerung an einen wundervollen Vater, der ihr viel zu früh genommen wurde.   

 

Schweid Nord, Nathan (Ludwigshafen)

Als 15jähriger wanderte er allein nach Palästina aus.   

 

Seitz, Margarete (Freiburg)

Andersdenkende, die nach der Kriegswende im Jahr 1943 in Deutschland offen ihre Meinung sagten, lebten gefährlich. Regimegegner mussten damit rechnen, denunziert zu werden. Bei Verrat gerieten sie in die Fänge einer Unrechtsjustiz, die in der Regel Todesurteile verhängte.   

 

Seligmann, Ludwig (Heidelberg)

Er floh nach Südamerika und kehrte nach dem Krieg zurück, in der Hoffnung den Familienbetrieb wieder aufzunehmen.   

 

Sibley, Cyril William (Dirmstein)

Cyril William Sibley ist der einzige britische Staatsbürger für den auf deutschem Boden ein Stolperstein liegt. Der Soldat der Royal Air Force wurde Opfer eines Lynchmords durch NSDAP-Funktionäre, nachdem sein Flugzeug in der Nähe von Dirmstein abgeschossen worden war.  

 

Sinauer, Erika (Freiburg)

Die Juristin, Tochter des jüdischen Rechtsgelehrten Moritz Sinauer, konnte ihren Beruf ab 1933 nicht mehr ausüben. Sie kam in Auschwitz um 

 

Sondheimer, Joseph (Worms)

Der Geschäftsmann hatte schwer unter den Ausschreitungen des Pogroms am 9./10.11.1938 zu leiden.   

 

Spiegel, August (Lauterecken)

August Spiegel rechnete mit seiner Deportation - und mit dem Freitod.   

 

Spiro, Hans (Tübingen)

Einmalig: Einen Gottesdienst zum Gedenken an Menschen jüdischer Herkunft wie Hans Spiro hielt der Pfarrer der Eberhardskirche in Tübingen am Sonntag, den 25. November 1945.   

 

Spiro, Liselotte (Tübingen)

Weil sie von der Hitlerjugend ausgeschlossen bleibt, erzählen die Eltern der Zehnjährigen von ihrer jüdischen Herkunft.   

 

Stern, Sofie Marie (Heilbronn)

Sie verzweifelte daran, dass ihr Mann Julius von den Nazis schikaniert wurde.   

 

Stern, Willy (Montabaur)

Der Lederwarenhändler überlebte den Holocaust nicht. Sein in England lebender Enkel initiierte das Gedenken an jüdische Schicksale in Montabaur.   

 

Sternlieb, Marcus (Ludwigshafen)

Die Nazis sorgten dafür, dass der wichtigste Architekt Ludwigshafens nach dem Zweiten Weltkrieg völlig in Vergessenheit geriet.

 

Theuß, Sofonias (Steinheim)

Erinnerungen an einen Soldaten, der sich selbst einen Pazifisten nannte.   

 

Tonello, Rudolf (Baden-Baden)

Wer unter Depressionen litt, psychisch labil war oder alkoholkrank, führte den Nationalsozialisten zufolge ein "lebensunwertes Leben". Wer sich in psychiatrischer Behandlung befand, dessen Todesurteil war bereits unterschrieben - so auch das von Rudolf Tonello.   

 

Tuteur, Carola (Kaiserslautern)

Das jüdische Mädchen Carola Tuteur flieht zusammen mit seinem Bruder vor den Nazis, wird von seinen Eltern unter anderem bei Verwandten in Belgien versteckt. Die Eltern selbst emigrieren nach England. Zu einem Wiedersehen soll es nie mehr kommen. 

 

Ullmann, Johanna (Lahr)

Sie nutzte einen Aufenthalt bei ihren Kindern in Palästina nicht zur Flucht, sondern kehrte zu ihrem Mann nach Deutschland zurück. Das Ehepaar wurde in Auschwitz ermordet.   

 

Ullmann, Victor (Stuttgart)

Die Zeit in Theresienstadt wird eine sehr produktive: Der Musiker und Komponist stürzt sich ins kulturelle Leben und wird zu dessen Motor.

 

Vries, de Erna (Kaiserslautern)

Die Halbwaise und "Halbjüdin" wollte ihre Mutter nicht im Stich lassen und ging mit ihr nach Auschwitz, obwohl sie nicht auf der Deportationsliste stand.

 

Wachenheimer, Hugo (Kippenheim)

"Es wird wohl lange dauern, bis du von mir wieder hörst", hieß es in dem letzten Brief, den Hedy Epstein von ihrem Vater bekam. Er wurde 1942 in Auschwitz ermordet.   

 

Wagner, Else (Freiburg)

Else Wagner wurde 1933 in die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen eingewiesen - eine schwierige Situation für ihre neun Kinder.   

 

Wagner, Friedrich Wilhelm (Ludwigshafen)

Selbst als er Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wird, verbringt er jede freie Minute in seiner geliebten Heimatstadt Ludwigshafen.   

 

Wälder, Arno (Worms)

Der Likörfabrikant wurde gezwungen sein Geschäft zu "arisieren". Mit seiner zweiten Frau wurde er nach Theresienstadt deportiert.   

 

Weil, Margot (Kehl)

Margot Weil begann nach dem Holocaust ein neues Leben bei ihrer Schwester in Argentinien – zusammen mit ihrem Jugendfreund Claus Rosenthal.   

 

Weiss, Viktor (Landau)

Viktor Weiß war ein angesehener Bürger der Stadt und für die Deutsche Demokratische Partei im Landauer Stadtrat.   

 

Wertheimer, Julius (Kaiserslautern)

Der Mediziner wird am 10. November 1938 schwer misshandelt und in den Selbstmord getrieben.   

 

Wicki-Schwarzschild, Margot (Kaiserslautern)

Als Neunjährige entkam sie der Hölle von Gurs. Sehen Sie hier ihre Geschichte als Video |  

 

Wiegand, Hertha (Offenburg)

Als eine der ersten Ärztinnen war sie Pionierin. Ihr Beruf war Berufung. Sie hatte im 1. Weltkrieg freiwillig in Lazaretten gearbeitet, denn sie wollte Menschenleben retten. Ihr eigenes Leben konnte sie nicht retten – als letzten Ausweg aus der Deportation 1944 schluckte sie Tabletten.   

 

Wippler, Emma (Konstanz)

Die sechsfache Mutter wurde ermordet, weil sie psychisch erkrankte.   

 

Wolf, Elsa (Baden-Baden)

Ihre Kinder konnte sie retten, ihr Mann wurde nach Auschwitz deportiert. Sie selbst überlebte unter abenteuerlichen Umständen in Frankreich.   

 

Wolff, Salomon (Landau)

Der Gemeindevorsteher wird am Tag nach der Reichspogromnacht verhaftet, im jüdischen Betsaal der Stadt Landau verhört - und getötet.

 

Zacharias, Jakob (Worms)

Er war ein alter Mann und ein leichtes Opfer für die Nazis, die ihn als Steuersünder diffamierten.   

 

Zeitler, Maria (Mosbach)

Maria Zeitler aus Mosbach war eine der Ersten in der Region, die der sogenannten "Euthanasie-Aktion T4" der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Die junge Behinderte wurde in Grafeneck vergast.

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Alle Themen:  Ein Stein, ein Mensch, ein Thema

 

Ein Stolperstein erzählt nicht nur von einem Leben – er erzählt auch über die jeweilige Einzelbiografie hinaus. Hier finden Sie alle Themen hinter den Lebensgeschichten: Hintergrundartikel, Interviews und mehr.

 

http://www.swr.de/swr2/stolpersteine/themen/themen-a-bis-z/-/id=12117604/did=12224200/nid=12117604/4rpkk1/index.html

 

Deportation nach Vichy-Frankreich: Gefangen in Gurs

22. Oktober 1940: In Baden, der Pfalz und dem Saarland werden 6500 Juden verhaftet und in das Internierungslager Gurs in Frankreich gebracht.

 

Die Nationalsozialisten und der Kurort: Trügerische Ruhe in Baden-Baden

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde im Weltbad Baden-Baden endete wie die aller jüdischen Stadtgeschichten in Deutschland nach 1933. Doch zunächst verlief sie nach einem etwas anderen Muster. 

 

Entrechtung und Verfolgung: Berufsverbote

Jüdische Beamte waren die ersten Opfer der nationalsozialistischen Regierung. Bald folgten Gesetze gegen Ärzte und Juristen jüdischer Herkunft

 

Erinnerungskultur: Weggesehen? Befürwortet? Mitgewirkt?

Nationalsozialismus und Holocaust als Teil unserer Familiengeschichten. Ein Artikel von Moritz Pfeiffer

 

Existenzvernichtung: Legalisierter Raub vor Ort

Die wirtschaftliche Existenzvernichtung jüdischer Bürger 1933 - 1945 wurde auch in Worms lange Zeit kaum beachtet – ungeachtet der intensiven Erforschung der NS-Zeit auch in dieser Stadt mit einer so langen und bedeutenden jüdischen Gemeindetradition.

 

Fotodokumentation: Endstation Buchenwald

56 000 Menschen verloren in dem KZ das Leben - durch Folter, medizinische Versuche, Hunger: Homosexuelle, politische Gegner, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Juden und mehr als 8000 sowjetische Kriegsgefangene.  

 

Homosexuelle in Südbaden und dem besetzten Frankreich

Eine Ausstellung in Freiburg beschäftigt sich mit der Verfolgung homosexueller Männer in Südbaden und dem von Deutschland besetzten Elsass. Interview mit Initiator William Schaefer 

 

Homosexuellen-Verfolgung

Ein Großteil der Homosexuellen wurde in der Zeit des Nationalsozialismus denunziert. So gerieten sie in das Netz von Gestapo und Kriminalpolizei, wurden verhaftet und eingesperrt.  

 

Jüdische Frauen: "Bin allein, aber mutig"

Oft blieben die Frauen zurück, weil sie die Eltern pflegten oder ihre Männer gefährdeter waren. 

 

Krankenmord im Nationalsozialismus

Grafeneck war eine der sechs "Pflege- und Heilanstalten", die in der NS-Zeit zu Orten des systematisch betriebenen Massenmords wurden.

 

Nürnberger Rassegesetze: Perfide Regeln für "Mischehe" und "Mischlinge"

Ab 1935 wird der Alltag für so genannte "Mischlinge" oder Paare, die in "Mischehe" leben, massiv beeinträchtigt.  

 

Protestantismus und Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz: Hand in Hand?

Die pfälzische Landeskirche stand den Nationalsozialisten sehr nahe. Interview mit Christoph Picker 

 

Psychisch krank: Traumatisiert im Ersten Weltkrieg

Nach 1918 wurden viele Soldaten in psychiatrischen Anstalten weggesperrt. 5000 Kriegsveteranen fielen der Aktion T4 zum Opfer.  

 

Rettung für jüdische Kinder: Die "300 Kinder-Aktion" der Schweiz

Die sogenannte "300 Kinder-Aktion" (300 K-A) war ein einmaliger, untypischer Entscheid der Schweizer Behörden, der im Anschluss an den Novemberpogrom 1938 gefasst wurde. 

 

Schulalltag nach 1933: Kreuzug gegen jüdische Kinder

Für jüdische Kinder war die Schule im nationalsozialistischen Deutschland eine Welt voller Gefahren. Die tagtägliche Ausgrenzung traf Schulanfänger und die jüngeren Kinder ganz besonders. 

 

Schüler setzen Zeichen: Virtuelle Ausstellung

Stolpersteine in meiner Stadt - Was hat das mit mir zu tun? Im Kunstunterricht stellten sich Jugendliche aus drei Baden-Badener Schulen im Herbst 2014 diese Frage 

 

Sehnsuchtsort Ludwigshafen

Das "Chicago" in der Pfalz lockte viele Juden aus Osteuropa. Nach 1918 entstand hier eine der am schnellsten wachsenden und lebendigsten jüdischen Gemeinden Deutschlands

 

Telegramm an Hitler: Die Zeugen Jehovas in Konstanz

Im Grenzort Konstanz konnten die Zeugen Jehovas, die im Mai 1933 verboten wurden, für Versammlungen in die Schweiz ausweichen und religiöse Texte über die Grenze schmuggeln.  

 

Weil eine Zahl keinen Namen hat: Ausstellung

Von 18 Menschen, die das Leben in Baden-Baden prägten, erzählte eine Ausstellung im Stadtmuseum Baden-Baden. Drei davon: Heimatdichterin Anna Michaelis, Pfarrer Ernst Berendt oder Violinpädagoge Carl Flesch. 
 

Widerstand von unten: Der Mann, der hinschaute

Den Deutschen fiel es viele Jahrzehnte schwer zu glauben, dass es unter ihnen einen Menschen gab, der in der Lage war, hinzuschauen, sich zu empören und zu handeln. Der Schreiner Georg Elser war ein solcher Mensch.

Wiedergutmachung: In den Mühlen der Bürokratie

Lässt sich "wieder gut machen", dass Menschen zur Zeit des NS-Regimes ausgeplündert und in Konzentrationslagern misshandelt wurden? Eine App geht in Mannheim auf Spurensuche.  

 

Zwangsschule für jüdische Kinder in Freiburg 1936-1940

Normaler Unterricht war hier für die 70 jüdischen Schüler kaum möglich. Ihre Lehrer unternahmen alles, um den Alltag erträglich zu machen.  

 

Zwischen Zustimmung und Terror: Der Killesberg in Stuttgart

Der Stuttgarter Killesberg war Schauplatz für Gartenträume. Hier lockte die Reichsgartenschau von 1939 die Massen an und zugleich war der Ort der Erholung auch Ausgangspunkt für die Deportationen in die Vernichtungslager.

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Stolpersteine:  Projekt - Intention- Unterstützung/Finanzierung          wikipedia April 2017

Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit) verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Diese quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten sind mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet und werden von einem angegossenen Betonwürfel mit einer Kantenlänge von 96 × 96 und einer Höhe von 100 Millimetern[1] getragen. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster bzw. den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen. Mittlerweile gibt es rund 60.000 Steine (Stand: Februar 2017) nicht nur in Deutschland, sondern auch in 20 weiteren europäischen Ländern.[2][3] Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt.[4] Die Marke Stolpersteine ist seit 2006 beim Deutschen Patent- und Markenamt durch Gunter Demnig geschützt,[5] seit 2013 auf europäischer Ebene.[6]

Schritte zum Verlegen von Stolpersteinen (PDF; 2,5 MB)

Start stolpersteine.eu, Abruf 13. März 2017

Steine des Innehaltens evangelisch.de, 21. November 2016, Abruf 13. März 2017

4  Andreas Nefzger: Der Spurenleger. In: FAZ.net. 7. Februar 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014.

DPMA: Markeneintrag Stolpersteine, 8. November 2006

DPMA: Markeneintrag Stolpersteine, 18. April 2013

Intention

Demnigs Intention ist unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Mit der Markierung der „Tatorte von Deportationen“, die häufig mitten in dichtbesiedelten Bereichen liegen, wird gleichzeitig die von einigen Zeitzeugen vorgebrachte Schutzbehauptung, nichts von den Deportationen bemerkt zu haben, in Frage gestellt.

Demnig kritisierte seinerseits das Konzept zentraler Gedenkstätten für die Opfer, die seiner Meinung nach in der Öffentlichkeit nicht ausreichend sichtbar seien. An solchen Mahnorten werde einmal im Jahr von Honoratioren ein Kranz niedergelegt, „… aber andere können die Mahnmale einfach umgehen.“ Sein Ziel sei es, die Namen der Opfer zurück an die Orte ihres Lebens zu bringen.[9] Trotz des Begriffs Stolpersteine geht es Demnig nicht um tatsächliches „Stolpern“. Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gern einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt antwortete: „Nein, nein, man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“[10]

9    Obermayer German Jewish History Award. Pressemitteilung zur Preisverleihung 2005.

10  Geschichte auf arte: Mit Kopf und Herz stolpern / Stolpersteine gegen das Vergessen

Unterstützung und Finanzierung

Daten für seine ersten Steine erhielt Demnig in Zusammenarbeit mit dem Gemeinnützigen Verein für die Verständigung von Roma & Sinti (Rom e.V.), woraufhin sich viele die Recherche durchführende Initiativen, häufig auch Schülergruppen, gründeten. Eine wichtige Hilfe ist neben lokalen Archiven und historischen Adressbüchern die Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Finanziert werden Stolpersteine durch private Spenden. Ein Stein kostete 2012 einschließlich seiner Verlegung 120 Euro.[11]

Im Jahr 2012 wurde das Projekt mit dem Marion Dönhoff Förderpreis für internationale Verständigung und Versöhnung ausgezeichnet und mit 10.000 Euro gefördert. Jurymitglied Anne Will sagte dazu, „… dass es inzwischen mehr als 37.000 dieser Steine gibt, ist eine große Leistung und ein großes Verdienst. Denn sie lassen die Deutschen ein ums andere Mal über die nationalsozialistischen Verbrechen ‚stolpern‘ und halten so die Erinnerung an die Opfer wach.“[12] Im gleichen Jahr, 2012, erhielt Demnig den Erich-Kästner-Preis, dessen Preisgeld von 10.000 Euro den Stolpersteinen sowie dem Neuen Jüdischen Friedhof in Dresden zugutekam. Laudator Avi Primor würdigte das Projekt mit den Worten: „[Die Stolpersteine sind] das Gegenteil von Verdrängung. Sie liegen zu unseren Füßen, vor unseren Augen und zwingen uns zum Hinschauen. Durch Projekte wie die Stolpersteine wurde ein Dialog zwischen den Menschen in Deutschland und Israel möglich.“[13]

 

11  Webseite des Künstlers: Steuerprüfung ’04 bis ’08 – Eine gute und eine weniger gute Nachricht

12  10 Jahre Marion Dönhoff Preis: Auszeichnungen gehen an Karl Schwarzenberg und das Projekt 

Stolpersteine. Mitteilung des Zeitverlags, 1. Oktober 2012.

13  Erich-Kästner-Preis 2012 für Gunter Demnig. Mitteldeutscher Rundfunk, 25. November 2012 (Memento vom 24. Oktober 2013 im Internet Archive).

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60.000 Verlegungen in 20 Ländern

 

Die Stolpersteine lässt Demnig bündig in den Bürgersteig ein. Dies geschieht unmittelbar vor dem letzten vom Opfer frei gewählten Wohnort. Wichtigste Quelle für Wohnungsanschriften wie auch der Personeneinträge für jegliche Gedenkbücher sind die Ergänzungskarten der Volkszählung vom 17. Mai 1939.[18][19] Sind die Wohnhäuser der Opfer nicht mehr erhalten, weil beispielsweise die Stadtstruktur beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg neu geordnet wurde, wurden einige Stolpersteine auf oder vor entstandenen Freiflächen verlegt. Die Stolpersteine gehen nach der Verlegung in das Eigentum der Stadt oder Gemeinde über, weshalb die behördliche Genehmigung wichtig ist.

 

Bis Ende 2016 haben Gunter Demnig und seine Vertreter rund 60.000 Steine in Europa gesetzt.[3][20] Alleine in Deutschland waren es rund 7000 in 1099 Städten und Gemeinden.[3][2]


Liste der Länder mit Stolpersteinen, sortiert nach Jahreszahl der ersten Steinsetzung:

 

 

 

19  Siehe dazu die im Internet veröffentlichte Version der Ergänzungskarten der Volkszählung vom 17. Mai 1939 bei Tracing the Past, zuletzt am 11. November 2014 abgerufen.

20  Gunter Demnig verlegt wieder Stolpersteine in Riedstadt Echo Online - Kreis Groß-Gerau, 31. Januar 2017, Abruf 13. März 2017

21  Navàs, first municipality in the Spanish state to commemorate Nazi victims with Stolperstein plaques (dt.: Navàs, die erste Gemeinde in Spanien, die die Naziopfer mit Stolpersteinen ehrt)

Von Katalonien und Apulien bis Nordnorwegen

 

Demnigs Projekt ist mittlerweile europaweit verankert, wobei sich deutliche regionale Unterschiede ergeben. In Paris, Marseille, Lyon, Florenz und Bologna, Ljubljana und Zagreb konnte bislang kein Stolperstein verlegt werden, hingegen finden sich in vielen, auch entlegenen Kleinstädten und Dörfern Tschechiens, der Slowakei und Ungarns Stolpersteine. Frankreich, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowenien sowie auch Russland und die Ukraine zögern noch in ihrer Beteiligung an dem Projekt. In Serbien und Bulgarien wurde bislang kein einziger Stolperstein verlegt, in Slowenien bislang erst zwölf (alle in Marburg), in Polen neun (allesamt für deutsche Opfer) und in Kroatien vier (für zwei Opfer, jeweils in kroatischer und italienischer Sprache). In Rumänien gedachte man bislang nur einer 6-köpfigen jüdischen Familie aus Porț, eines kleinen Dorfes im früheren Siebenbürgen, und eines einzelnen Mannes aus Timișoara.

 

Auf breite Zustimmung stößt das Projekt in sieben Staaten außerhalb Deutschlands. Neben den Niederlanden, Italien und Tschechien bemühen sich vor allem Norwegen, Österreich, die Slowakei und Ungarn um Stolpersteine für ihre Opfer des NS-Regimes, zunehmend auch Griechenland und Spanien.

 

Österreich

 

Obwohl Österreich die erste Nation außerhalb Deutschlands war, die Demnig einlud, und in Österreich die erste amtliche Genehmigung für die Verlegungen von Stolpersteinen ausgestellt wurde, ist die Stolperstein-Dichte in der Alpenrepublik unterdurchschnittlich. Ausnahmen sind die Stadt Salzburg mit nahezu 350 Steinen, diejenige Stadt außerhalb Deutschland mit den meisten Stolpersteinen, Wiener Neustadt mit über hundert und Graz mit bislang 93, sowie Hallein mit 40. Diese Städte bemühen sich um eine systematische Erfassung ihrer Opfer (Stand: März 2017). Einige Stolpersteine finden sich auch in Kärnten, Oberösterreich und Vorarlberg.

 

Niederlande

 

Demnig wurde und wird seit 2007 regelmäßig eingeladen, Stolpersteine in den Niederlanden zu verlegen. Der ersten Stadt, Borne, in der heute 82 Steine verlegt sind, folgten in rascher Folge bislang insgesamt 110 Städte und Gemeinden mit mehr als 2750 Verlegungen (Stand: Januar 2016). Neben den großen Städten Amsterdam, Den Haag und Rotterdam sind insbesondere Kleinstädte mit systematischer Erfassung ihrer Opfer zu erwähnen: Hilversum (92), Gouda (183), Eindhoven (244), Oss und Oudewater (mit jeweils 263).

 

Tschechien

 

In Tschechien, wo die „Stolperstein“-Arbeit am 8. Oktober 2008 in Prag begann, besteht heute eine nahezu flächendeckende Abdeckung mit Stolpersteinen. In 13 der 14 Regionen hat Demnig persönlich Steine verlegt. Derzeit (Stand: März 2017) ist noch nicht erhoben, wie viele Stolpersteine in Tschechien insgesamt verlegt wurden. In Prag (tsch. Praha) wurden in den Jahren 2008 bis 2013 zumindest 250 Stolpersteine verlegt, in Olomouc bislang zumindest 159, in Brünn 78 Original-Stolpersteine und 19 Gedenksteine für NS-Opfer. Die ostmährische Stadt Ostrava (dt. Ostrau) zählt zu den weiteren Schwerpunkten. In Neratovice finden sich 19 Stolpersteine, in Tišnov (dt. Tischnowitz) 15, weiters 9 in der Minderstadt Lomnice u Tišnova (dt. Lomnitz). Ein besonderes tragisches Schicksal betraf das kleine tschechische Mädchen Hana Brady, die 13-jährig vom NS-Regime in den Gaskammern ermordet wurde. In Třeboň (dt. Wittingau) ist 2010 ein Stolperstein für ihren Vater Karel Brady-Metzl verlegt worden.  Siehe auch: Stolpersteine.cz

 

Italien

 

In Italien begann die „Stolperstein“-Arbeit am 28. Januar 2010 in Rom, wo bislang 207 Steine verlegt wurden. Es folgten 2012 die Regionen Ligurien, Trentino-Südtirol und die Lombardei, 2014 Venetien und die Toskana, 2015 die Emilia-Romagna (hier wurde am 11. Januar 2015 der europaweit 50.000ste Stolperstein verlegt![22]), sowie 2016 Apulien, Abruzzen und Friaul-Julisch Venetien. 2017 ist die erste Verlegung in den Marken geplant. In Italien zeigen sich deutlich regionale Unterschiede zu anderen Ländern: Neben der jüdischen Bevölkerungsgruppe und dem politischen Widerstand sind dort zahlreiche Stolpersteine auch Angehörigen der italienischen Streitkräfte gewidmet, die nach dem Kriegsaustritt Italiens nach dem 8. September 1943 von der deutschen Wehrmacht entwaffnet, verhaftet und als Italienische Militärinternierte (IMI) nach Deutschland deportiert wurden, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Der IMI-Status diente dazu, den ehemals verbündeten Soldaten den Status von Kriegsgefangenen zu verweigern, der sie unter den Schutz des III. Genfer Abkommens von 1929 über die Behandlung der Kriegsgefangenen gestellt hätte. Die italienischen Militär­internierten wurden durch die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, Nahrungsmittelentzug und fehlende medizinische Betreuung teilweise schlechter behandelt als die sowjetischen Gefangenen.

 

Weitere Länder

 

In Dänemark wurde bislang kein „Stolperstein“ verlegt – die Verschleppungsquote der dortigen jüdischen Bevölkerung lag bei „nur“ zwei Prozent, dank der erfolgreichen Weigerung der dänischen Regierung, den Judenstern und die Rassengesetze einzuführen, sowie der mutigen Rettung von über 7200 dänischen Juden und fast 700 ihrer nicht-jüdischen Partner nach Schweden durch die dänische Bevölkerung, knapp bevor das NS-Regime diese deportieren und ermorden wollte.

 

In Schweden wurden in den Jahren 2007 und 2010 vom Forum för levande historia auf Stockholm bezogene Anträge auf Anbringung von Schildern bei Adressen von verschleppten und ermordeten jüdischen Schutzsuchenden abgelehnt. Die Begründung war, dass diese Erinnerungsobjekte einen „erschreckenden“ Eindruck auf die Vorbeigehenden machen könnten, was nicht im Sinne der Stockholmer Stadtverwaltung sei. Seit Februar 2017 wird die Frage erneut diskutiert, diesmal unter positiven Vorzeichen. Im Haushalt sollen bereits Mittel für die Verlegung von „Stolpersteinen“ reserviert worden sein.[23]

 

Erstaunen mag die Verlegung von „Stolpersteinen“ im schweizerischen Kreuzlingen (Schweiz) und in Spanien, da doch diese Staaten nie unter Kontrolle des NS-Regimes waren. Die NS-Opfer aus der Schweiz brachten überwiegend illegale Schriften über die Grenze und wurden dabei gefasst. Aus Spanien gerieten große Gruppen von Republikanern, die nach dem Sieg Francos nach Frankreich geflüchtet waren, in die Fänge des NS-Regimes und wurden entweder dem Vichy-Regime übergeben oder in das KZ Mauthausen deportiert. Rund 7000 Spanier waren dort inhaftiert und zur Zwangsarbeit verurteilt, mehr als die Hälfte von ihnen wurde vom NS-Regime ermordet. Den überlebenden spanischen KZ-Häftlingen entzog das Franco-Regime die Staatsangehörigkeit und machte sie somit staatenlos. Mehrere Jahrzehnte lang wurde ihnen jede Form der Anerkennung als Opfer und jede Wiedergutmachung verweigert.

 

Die Stolpersteine finden international hohe Beachtung, auch in Ländern, in denen keine verlegt werden, wie den Vereinigten Staaten.[24]

22  In Turin (Italien) wurde heute der europaweit 50.000ste #Stolperstein verlegt! Er erinnert an Eleonora Levi. Demnig am 11. Januar 2015 auf Twitter.

23  Snubbelstenar på väg till Stockholm. In: dn.se. 20. Februar 2017, abgerufen am 26. März 2017 (schwedisch).

24  Elizabeth Kolbert: The Last Trial – A great-grandmother, Auschwitz, and the arc of justice., The New Yorker (New York), 16. Februar 2015, abgerufen am 6. Mai 2016.

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Stolpersteine   Kritik und Kontroversen     wikipedia April 2017

 

Gegen das Konzept der „Stolpersteine“ wird auch Kritik geäußert[28]: Die vehementeste Gegnerin von Demnigs Projekt ist Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), die es als „unerträglich“ bezeichnete, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und worauf mit Füßen „herumgetreten“ werde.[29] Die Anhänger des Stolpersteinprojekts stellte sie öffentlich als „Gedenktäter“ in die Nachfolge der Täter der Judenvernichtung.[30]

 

Die Meinungen gehen unter prominenten Juden jedoch auseinander. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Salomon Korn verteidigte das Projekt.[31] Auch der Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses und Nachfolger Knoblochs als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (bis November 2014) Dieter Graumann, der aktuelle Zentralratspräsident Josef Schuster[32] oder der ehemalige Präsident der Union progressiver Juden in Deutschland und aktuelle Vorsitzende der zweiten jüdischen Gemeinde Münchens Beth Shalom, Jan Mühlstein[33], haben sich für das Projekt ausgesprochen. Demnig selbst widersprach Knoblochs Metapher „auf Schicksale mit Füßen zu treten“ und hält sie für eine Verharmlosung der Verbrechen der Nazis, „denn wenn die Nazis sich damit begnügt hätten, dann hätten die Menschen blaue Flecke bekommen, aber würden noch leben. Die Nazis hatten aber ein Vernichtungsprogramm.“[34]

 

Knobloch kritisierte auch, dass bei einer Verlegung der Gedenksteine im Boden diese beschmiert oder verunreinigt werden könnten.[35]

 

In den Jahren 2001 bis 2011 kam es laut Demnig bundesweit in insgesamt 700 Fällen zu teilweise rechtsextrem motivierten Schmierereien und anderen Formen von Vandalismus gegen die bis dahin über 30.000 verlegten Stolpersteine.[36] Manche dieser Beschädigungen werden in rechtsextremen Medien auf hämische Weise kommentiert.[37] Allerdings werden auch andere Formen von Denkmälern beschmiert oder beschädigt.[38] Immer wieder finden sich Jugendliche zusammen, die aus Eigeninitiative Stolpersteine säubern, polieren oder instand halten.[39][40][41][42] Mitunter werden auch die Initiatoren der Stolpersteine, entweder Angehörige oder Freunde der Opfer oder auch Bewohner der Häuser, die sich für die Geschichte interessieren, von Gegnern der Stolpersteinaktion bedroht.[43]

 

Städte, die die Verlegung von Stolpersteinen ablehnen, berufen sich meist auf die Kritik von Knobloch oder machen die Zustimmung zur Verlegung von einem positiven Votum ihrer jüdischen Gemeinde abhängig. Das bekannteste Beispiel ist München, wo die beiden einzigen auf öffentlichem Grund verlegten Stolpersteine aus dem Bürgersteig der Mauerkircherstraße entfernt wurden, da der Stadtrat und der maßgebliche Teil der jüdischen Gemeinde gegen Stolpersteine sind.[44][45] Die beiden entfernten Stolpersteine kamen nach einer Zwischenstation auf dem jüdischen Friedhof in die Münchner Musikhochschule und waren Teil einer künstlerischen Installation. Mit Verweis auf den Brandschutz wurde die Installation 2011 entfernt.[46] In München gibt es nur Stolpersteine auf Privatgrund.[47] Mehr als 200 Stolpersteine für Münchener Opfer wurden bereits hergestellt und können nicht verlegt werden; sie lagern seitdem in einem Keller. Nachdem bei den Kommunalwahlen in Bayern 2014 der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, der Knoblochs Standpunkt teilte, altersbedingt aus dem Amt schied, veranstaltete im Dezember 2014 der neugewählte Münchner Stadtrat eine öffentliche Anhörung zu dem Projekt. Diese stand kurz vor einem Eklat, als eine Vertreterin der IKG bei ihrer Kritik an den Stolpersteinen die vereinbarte Redezeit deutlich überzog.[48]

 

Vertreter anderer Opfergruppen wie Homosexuelle oder ehemalige Häftlinge des KZ Dachau sprachen sich hingegen für die Stolpersteine aus.[49] Am 28. April 2015 einigten sich die regierenden Stadtratsfraktionen von SPD und CSU dahingehend, dass der NS-Opfer statt mit Stolpersteinen durch Erinnerungswandtafeln und -stelen gedacht werden soll, sofern Angehörige und Hauseigentümer zustimmen.[50] Terry Swartzberg und die „Initiative Stolpersteine für München“ sammelten bis Juni 2015 über 80.000 Unterschriften für ihr Projekt.[51] Am 29. Juli 2015 sprach sich der Münchener Stadtrat mit breiter Mehrheit gegen die Stolpersteine auf öffentlichen Straßen und Plätzen der Stadt aus.[52] Am 31. Mai 2016 wies das Verwaltungsgericht München eine Klage auf Verlegung von Stolpersteinen in München ab.[53]

 

In einigen Städten werden die Genehmigungen für die Verlegung der Stolpersteine nach Diskussionen und teilweise unter Auflagen (zum Beispiel Zustimmung der Hauseigentümer) erteilt. In Krefeld lehnte beispielsweise der Stadtrat eine Verlegung auf Wunsch der jüdischen Gemeinde ab, die sich der Argumentation Knoblochs anschloss. Erst nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren wurde ein Kompromiss gefunden: Wenn die jeweiligen Hauseigentümer und die Angehörigen der Opfer zustimmen, können die Stolpersteine verlegt werden. Inzwischen wurden auch in Krefeld Stolpersteine verlegt.[54] Auch in Rheinbach[55][56] und Bad Homburg[57] gibt es trotz Initiativen der Bürger sowie Unterschriftensammlungen bislang keine Zustimmung zur Verlegung.

 

In Augsburg gab es einen jahrelangen Streit zwischen Befürwortern und Gegnern des Stolperstein-Projekts. Grund dafür war, dass in Augsburg – wie auch in der Landeshauptstadt München – die Israelitische Kultusgemeinde Vorbehalte erhob. Zwar wurden im Mai 2014 zwei Stolpersteine in Anwesenheit von Gunter Demnig auf einem Privatgrundstück verlegt, für Stolpersteine im öffentlichen Raum fehlte aber die Genehmigung des Augsburger Stadtrats.[58] Im März 2015 kam es schließlich zu einer Einigung, die besagt, dass künftig neben der Verlegung von Stolpersteinen „alternativ auch Tafeln, die an Laternen oder Straßenschildmasten angebracht werden, und Stelen als Erinnerungszeichen möglich sein“ werden.[59] Für die Art des Gedenkens soll künftig in Augsburg insbesondere der Wille der Angehörigen eines Opfers berücksichtigt werden, „auch wenn beispielsweise die jüdische Gemeinde anderer Ansicht ist.“

 

In Rottweil hatte die Arbeitsgruppe „Erinnerungskultur“ das Thema fast zwei Jahre lang hinter verschlossenen Türen diskutiert und für den Gemeinderat vorbereitet. Der konnte sich trotzdem nicht einigen. Oberbürgermeister Ralf Broß (parteilos) erklärte, das sei ein ausdrücklicher Wunsch der jüdischen Gemeinde. Der Gemeinderat von Villingen-Schwenningen hat die Stolpersteine schon zweimal abgelehnt und möchte lieber ein Mahnmal mit den Namen aller Opfer.[60]

 

Angehörige von NS-Opfern kritisierten im Jahr 2014, dass auf einigen Stolpersteinen „Nazijargon“ zu lesen sei. So seien als Grund für eine Verurteilung die nationalsozialistischen Begriffe wie „Rassenschande“, „Gewohnheitsverbrecherin“ oder „Volksschädling“ angegeben, ohne dass eine Relativierung der Begriffe erfolge.[61] Auch Wissenschaftler schlossen sich den Bedenken an. Martina Staats, Leiterin der Gedenkstätte Wolfenbüttel, findet „Beschriftungen in Tätersprache nicht angemessen“. Solche Begriffe ohne sprachliche Distanzierung zu zitieren sei „einfach unmöglich“ und sehr schmerzhaft für die Überlebenden der NS-Verfolgung, sagte Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme der taz.[62] Demnig erklärte, dass die Verwendung von Tätersprache erfolge, um „das Unrecht der Nazis darzustellen“ und die Begriffe „schließlich in Anführungszeichen“ stehen würden, so dass „selbst Jugendliche [merken] würden“: „Da ist was faul“.[63]

 

Mitunter kritisieren Hausbesitzer oder Mieter, vor deren Häusern die Stolpersteine verlegt werden, das Projekt. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Die Spannweite reicht von rechtsradikalem Gedankengut,[64] dem Glauben an eine Wertminderung durch die Stolpersteine[65] über eine fachliche Ablehnung des Projektes bis zur Angst vor rechtsradikalen Übergriffen nach der Verlegung.[66] Das Landgericht Stuttgart urteilte zu einer Zivilklage, dass Stolpersteine keine Beeinträchtigung oder Wertminderung von Eigentum darstellen.[67]

 

Das populäre Smartphone- und Tablet-Spiel Pokémon Go greift auf die im positionsbezogenen Spiel Ingress erstellten Portale zu, die die Stolpersteine als Orientierungsmarken haben. „Ich finde es einfach geschmacklos, was der Spielehersteller da macht. Irgendwo muss eine Grenze sein“, sagte der Künstler Gunter Demnig dem WDR. Wie viele seiner rund 58.000 Stolpersteine in Europa von Niantic für das Spiel genutzt werden, weiß er nicht. Dagegen vorgehen könne er aber ohnehin nicht, sagte Demnig: „Ich bin da in gewisser Weise hilflos.“[68]

 

28  Jens Rosbach: Den Opfern Heimat zurück geben. Deutschlandradio vom 12. April 2015.

29  Opfer des NS-Terrors – Neue Diskussion über die „Stolpersteine“. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 16. Dezember 2014.

30  Münchner Streit um Stolpersteine – Wer gedenkt am besten? In: tageszeitung, 28. Juni 2006.

31  Hanauer Entscheidung gegen „Stolpersteine“ bedauert. Der Vize-Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, im Gespräch mit HanauOnline.

32  Gedenken, das entzweit 13. Oktober 2014 Süddeutsche Zeitung; Abruf 3. Mai 2015.

33  Stolperstein-Verbot spaltet München, Deutschlandradio vom 12. April 2015.

34  Thyra Veyder-Malberg: Spur der Stolpersteine. In: Jüdische Allgemeine, 11. September 2014.

35  Claudia Keller: Stolperstein-Verbot spaltet München, Der Tagesspiegel, 28. Oktober 2014.

36  Angriff auf die Erinnerung. In: tagesspiegel.de. undatiert, abgerufen am 16. Dezember 2014.

37  Anton Maegerle: Brachial gegen »Schuldkult«. Jüdische Allgemeine, 24. Januar 2013, abgerufen am 15. Juni 2015.

38  Kaum noch zu erkennen, taz-Bremen, 9. Oktober 2010.

39  2011 Jugendliche reinigen Stolpersteine

40  2014 Gymnasiasten säubern Stolpersteine in Duderstadt

41  2013 Jugendliche putzen Stolpersteine in Bad Kissingen

42  2015 Eisenberger Schüler übernehmen Verantwortung für Stolpersteine

43  Petra Ahne: Ein Fenster in die Vergangenheit. Wer in Berlin einen Stolperstein verlegen will, muss oft jahrelang warten. In: Berliner Zeitung, 2./3./4. Oktober 2015, S. 3.

44  Philipp Gessler: Münchner Streit um Stolpersteine: Wer gedenkt am besten? In: taz.de. 28. Juni 2008, abgerufen am 16. Dezember 2014.

45  Helmut Reister: Initiative. „Schluss mit den Fußtritten gegen die Opfer.“ In: Jüdische Allgemeine. 2. Juni 2016.

46  Rudolf Stumberger: In München darf niemand stolpern. In Neues Deutschland, 1. Dezember 2012.

47  Margarete Moulin: Stolpersteine in München: Der Streit ums Gedenken. Eine Initiative lässt in der bayerischen Landeshauptstadt Erinnerungssteine verlegen – und das trotz eines richterlichen Verbots. www.taz.de, 8. August 2016, abgerufen am 8. August 2016.

48  München streitet über Stolpersteine / Eklat bei Anhörung 5. Dezember 2014 Süddeutsche Zeitung Abruf 3.5.15.

49  Felix Müller: Hitzige Debatte um Stolpersteine, Oberbayerisches Volksblatt vom 6. Dezember 2014

50  Gedenktafeln statt Stolpersteine 28. April 2015, Süddeutsche Zeitung, Abruf 3. Mai 2015.

51  Aktion für Stolpersteine in München: 80.000 unterschreiben Petition, tz vom 9. Juni 2015.

52  dpa: Keine Stolpersteine zum Gedenken an NS-Opfer. In: FAZ.net. 29. Juli 2015, abgerufen am 29. Juli 2015.

53  http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/stolpersteine-in-muenchen-weitere-schlappe-fuer-befuerworter-a-1095047.html

54  Stolpersteine für Krefeld: Chronik (Memento vom 5. September 2012 im Webarchiv archive.is)

55  Gerda Saxler-Schmidt: Stolpersteine abgelehnt – Rheinbacher Bürgermeister erntet Kritik. In: General-Anzeiger, 24. April 2013.

56  Rheinbacher Stolpersteine – Kompromiss noch möglich. In: Bonner Rundschau, 15. April 2014.

57  Fabian Böker: Bad Homburg. Stolpersteine für Mai 2016 geplant, In: Frankfurter Rundschau, 16. Juni 2015. Abgerufen am 13. Januar 2016.

58  Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg und Umgebung, abgerufen am 18. März 2015.

59  Mittelbayerische Zeitung: Stolpersteine: Einigung in Augsburg In Augsburg haben Gegner und Befürworter der Stolpersteine nach jahrelangem Streit einen Kompromiss gefunden, 28. März 2016, abgerufen am 22. April 2016.

60  Lothar Häring: Südwest: Tuttlingen lässt Stolpersteine verlegen. Badische Zeitung, 24. Mai 2016, abgerufen am 24. Mai 2016.

61  Elke Hoesmann: Gedenken mit Nazijargon. In: Weserkurier, 9. November 2014.

62  Petra Schellen: Erinnerung an NS-Opfer: Über Sprache stolpern. In: taz.de. 20. Oktober 2014, abgerufen am 15. Januar 2015.

63  Philipp Woldin Gravierender Vorwurf Die Zeit Nr. 47/2014 vom 30. November 2014.

64  Steine des Anstoßes. Holocaust-Leugner wehrt sich gegen Mahnmal für ermordete Juden. In: Berliner Zeitung, 28. November 2008.

65  StadtRevue Köln 03/2004: Anstößige Steine (Memento vom 8. Mai 2009 im Internet Archive)

66  General-Anzeiger: Eklat bei der Verlegung der Stolpersteine in Alfter. Vor einem Haus sind Gedenkplatten nicht erwünscht.

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Stolperschwellen

 

Zusätzlich zu Stolpersteinen verlegt Demnig fallweise auch sogenannte Stolperschwellen im Format 100 mal 10 cm, die ganzer Opfergruppen gedenken. Beispielsweise verlegte er im Hauptbahnhof von Stralsund eine Stolperschwelle, die den 1.160 psychisch kranken Menschen gewidmet ist, die „VON HIER AUS“ im Dezember 1939 abtransportiert und Opfer der Aktion T4 wurden, ermordet vom NS-Regime in Wielka Piaśnica.

 

Weitere Stolperschwellen erinnern beispielsweise in Geißlingen an die Zwangsarbeiterinnen des dortigen KZ-Außenlagers, in Ettelbrück an die Opfer der Shoah in Luxemburg, in Glinde an die Opfer eines dortigen Arbeitslagers, in Merseburg an die Opfer der Aktion T4 und in Köln an 1.000 Opfer der Roma und Sinti. Weitere Stolperschwellen sind bekannt in Bad Buchau, zwei in Berlin-Friedenau, jeweils eine in Braunschweig, Hamburg, Heidesheim, Karben, Leipzig, Messel, Nassau, Regensburg, Rüsselsheim, eine zweite in Stralsund, eine in Völklingen, zwei in Weingarten und eine weitere in Olbernhau. Die Stolperschwelle in Thessaloniki ist vor jenem Haus angebracht, von dem aus Alois Brunner und Adolf Eichmann die Deportation und Vernichtung von 96,5 Prozent aller Juden aus dieser Stadt planten und organisierten.

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